Sollte man noch Kinder in diese Welt setzen?

Sollten wir noch Kinder in diese Welt setzen?

Monate vergehen, in denen wir versuchen ein Kind zu bekommen. Monate, in denen am Ende ein kleine Enttäuschung steht. Und immer wieder stelle mir die Frage: Wäre es vielleicht besser kein 3. Kind zu bekommen? Nicht, weil es krank sein könnte oder unsere Partnerschaft erneut belasten würde. Sondern weil wir Menschen seit vielen Jahrzehnten unseren Planeten und vor allem die Zukunft unserer Kinder und Enkel zerstören sowie uns selbst die Grundlage für ein friedliches und nachhaltiges Miteinander nehmen.

Sollten WIR in diese Welt weitere Kinder setzen oder lieber auf das dritte Kind verzichten?

Der Kinderwunsch ist etwas sehr persönliches, individuelles und vor allem ein recht egoistischer Zug für einen Menschen. Konkret geht es um Vermehrung des eigenen Erbgutes, dem Erleben der Schwangerschaft, der Geburt und der Babyzeit und der späteren Absicherung im Alter nicht allein zu sein. Natürlich gibt es noch viele weitere Gründe, Kinder zu bekommen.

Für mich stand nach einer Weile mit zwei Kindern fest, dass ich noch nicht am Ende meiner Liebe angekommen bin. Da ist noch Platz für mindestens eine Seele in meinem Herzen. Auch meinen zwei Töchtern wollte ich ein weiteres Geschwister und mit ihm die Vielfalt in der Familie ermöglichen. Vielleicht ist dieses Gefühl nach dem dritten Kind gänzlich befriedigt, vielleicht auch nicht.

Natürlich tröste ich mich mit der Tatsache, dass wir versuchen so nachhaltig wie möglich zu leben. Aber auch wir sind nicht perfekt. Ich verzichte zwar auf private Flugreisen, Fleisch, Plastikgedöns und kaufe Bio und grünen Strom, aber auch wir besitzen ein Fossilien-Auto, streamen Filme, benutzen elektronische Geräte und fahren in den Urlaub.

Es geht zum einen darum, dass wir nicht nachhaltig genug leben und mit einem dritten Kind noch mehr CO2 ausstoßen würden und zum anderen darum, wie es unseren Kindern in einigen Jahrzehnten gehen wird.

Können wir unseren Kindern diese ungewisse Zukunft zumuten? Ist das gerecht?

Oder sollten wir lieber auf weitere Kinder verzichten und uns auf die konzentrieren, die wir bereits haben?

Zu erstens kann ich sagen, wir werden noch nachhaltiger. Beim dritten Kind werden wir auf Stoffwindeln umsteigen und ganz auf Feuchttücher verzichten. Wir würden weiterhin und noch mehr gebraucht kaufen und noch intensiver auf nachhaltige Kleidung setzen. Wir weden uns kein größeres umweltschädlicheres Auto kaufen und selbstverständlich stillen, wenn nichts dagegen spricht. Das mag alles nach Schönreden klingen, aber es ist die Änderung, die wir schaffen und die wir vorleben möchten.

Zweitens ist da schon sehr viel schwieriger zu beantworten. Natürlich hat niemand eine Glaskugel und auch Wissenschaftler können nur prognostizieren, was wann wahrscheinlich passieren wird. Ganz genau weiß es aber niemand. Fakt ist aber, dass wir Menschen den Klimawandel verursacht haben und ihn offensichtlich kaum oder gar nicht aufhalten werden. Nicht weil wir nicht können, sondern weil Politiker und auch viele Mitbürger dies gar nicht wollen. Für diese ist der Klimawandel eine Glaubensfrage. Und das ist Käse. Der Klimawandel ist sicher. Die Frage ist, welche Auswirkungen er wann haben wird.

Für meine Enkel wird es sicherlich nicht mehr nur darum gehen, ob sie nur freitags nicht in die Schule gehen. Für meine Enkel wird es vielleicht gar keine Möglichkeit mehr geben in die Schule zu gehen.

Und für meine Kinder wird es vielleicht schon gar nicht mehr so wichtig sein, ob jemand in die Schule gegangen ist. Es wird wichtiger sein, ob jemand weiß, wie er überleben kann. Das klingt Dir zu melodramatisch? Dann empfehle ich Dir die Videos von Volker Quaschning (Scientists for Future). Dann verstehst Du besser, was ich meine.

Unser Leben, wie wir es aktuell leben, ist der absolute Luxus.

Wir sind sicher, haben Zugang zu sauberem Wasser, Lebensmittel en masse und das beste Gesundheitswesen, das es gibt. Niemand muss täglich um sein Leben fürchten oder auf der Straße leben. Auch muss niemand in Deutschland hungern oder sich (zumindest vom Gesetz) aus irgendeinem Grund diskriminieren lassen.

All das verliert akut seine Grundlage, wenn Millionen Menschen aufgrund des steigenden Meeresspiegels und steigender Temperaturen vor Überschwemmungen und Krankheiten flüchten und zu uns oder in sicherere Nachbarländer kommen müssen, wenn auch wir mehrere Jahre in Folge Missernten verzeichnen und das Wachstum nicht mehr an der Automobilindustrie hängt, sondern an unserer Lebensmittelversorgung. All das klingt unwahrscheinlich und furchtbar weit weg, ist es aber nicht, wenn wir die Erderwärmung nicht bei 1,5 Grad begrenzen, sondern den Klimawandel in einem nicht mehr aufhaltbaren Kreislauf ermöglichen.

Der Klimawandel ist bereits da!

Bereits in 2018 haben wir aufgrund von Dürre Missernten bei Kartoffeln und Getreide mit einem minus von bis zu 40 Prozent verzeichnen müssen. Noch sind die Lager gefüllt und wir können ärmeren Ländern Vorräte wegkaufen. Aber das wird nicht ewig funktionieren. Der Klimawandel findet bereits statt. Laut Klimabericht der Bundesregierung hat sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Allein in den vergangenen fünf Jahren stieg diese um 0,3 Grad an.

Wissenschaftliche Untersuchungen gibt es zu diesen Fakten genug. Es ist also Zeit in Panik zu verfallen, denn viel Zeit bleibt uns nicht. Wir müssen jetzt stark am CO² sparen. Was es dafür braucht, liegt unserer Bundesregierung längst vor, aber sie haben Angst, Wähler zu verlieren, wenn sie das so durchziehen. Sie denken nur bis nach der nächsten Wahl 2021, aber nicht an das Leben ihrer Kinder und Enkel.

Manche haben es eventuell sogar verstanden, befürchten aber einen gesellschaftlichen Kollaps, wenn wir Kohlekraftwerke noch schneller als geplant abschalten. Und sie haben Recht, der gesellschaftliche Kollaps wird kommen, aber eben irreparabel. Vom schnellen Kohleausstieg können wir uns erholen, von Lebensmittelknappheit, einer Wasserkrise und Millionen Flüchtlingen in alle Richtungen und Krieg sicherlich nicht so leicht.

Ich habe Angst

Ich möchte diese Prognosen auch gern hinter mir lassen, keine Angst vor der bevorstehenden Klimakatastrophe haben und lieber in eine rosige Zukunft schauen. Aber die gibt es mit Sicherheit nicht. Die Frage ist eher, was schaffen wir zu verhindern und wie schlimm wird es?

Wie haben wir uns also entschieden? Sollten wir lieber auf ein drittes Kind verzichten?

Wir haben uns FÜR ein drittes Kind entschieden. Zu dritt haben unsere Kinder hoffentlich bessere Chancen ein gutes Leben zu haben, in dem sie sich gegenseitig unterstützen und für einander da sind. Zu dritt haben drei sehr gut aufgeklärte Menschen einen größeren Einfluss die Welt zum Positiven zu verändern. Dafür kämpfen wir mit unseren Möglichkeiten. Wir klären unsere Kinder gut auf, leben ein möglichst klimafreundliches Leben vor, gehen gemeinsam für bessere politische Maßnahmen auf die Straße und investieren in Bildung.

Andere mögen zu einem anderen Schluss kommen und sich gegen ein oder mehrere Kinder entscheiden. Das kann ich gut nachvollziehen. Am Ende ist es eben eine sehr persönliche, individuelle und egoistische Entscheidung.

Wie siehst Du das? Betrachtest Du bei der Familienplanung die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen? Habt ihr euch vielleicht sogar deswegen gegen ein (weiteres) Kind entschieden?

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