Warum ich nie wieder einleiten lassen würde

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Ich habe zwei Kinder. Und ich habe zwei völlig verschiedene Geburten erlebt. Nach der ersten Geburt wusste ich, dass ich nie wieder einleiten lassen würde. Und nach der zweiten Geburt wusste ich, dass ich NIE wieder einleiten lassen würde. Dies ist der Geburtsbericht mit Einleitung bei meiner ersten Geburt.

Ich weiß, viele werden jetzt sagen, dass man ja nichts machen kann. Nach 10, spätestens nach 14 Tagen über dem errechneten Termin MUSST Du einleiten lassen. Ich sag mal so, MÜSSEN tue ich schon mal gar nichts.

Ich denke, im Vorfeld der Geburt wird sehr viel Panik durch das Klinikpersonal gemacht. Oft fehlen die harten Fakten. Ich denke, wenn es wirklich schlecht um das Kind oder die Mutter stehen würde, dann wäre eine Einleitung eh nicht das Mittel der Wahl, da dies viel zu stressig für beide wäre.

Disclaimer: Liebe Erstgebärende, wenn Du gerade vor einer Geburt stehst, würde ich Dir davon abraten diesen Geburtsbericht zu lesen. Dann empfehle ich Dir Dich noch einmal intensiv mit Deinem Arzt oder Deiner Hebamme zum Thema Einleitung auseinanderzusetzen und viele Fragen zu stellen.

 



 

Über dem errechneten Termin

Als ich bei meiner ersten Tochter 7 Tage über dem errechneten Termin war, ging es mir gut. Ich hatte einfach keine Lust mehr und wurde langsam ungeduldig. An diesem Morgen mussten wir wieder zum CTG-Schreiben in den Kreißsaal. Alles war in Ordnung, nur das Gewicht des Kindes wurde erneut nach oben korrigiert: 3800 Gramm und plötzlich redete der griechische Arzt das erste Mal über eine Einleitung. Er gab mir einige Aufklärungsbögen mit allerhand Beschreibungen von möglichen Risiken und Komplikationen, aber mein Vertrauen in die Ärzte und Hebammen war groß.

 

Nicht-hormonelle Einleitung

Ich sagte ihm, dass ich den Ballonkatheter zur Eipolablösung als nicht-hormonelle Methode bevorzuge. Ich hatte mich schließlich informiert und schon Respekt vor der hormonellen Einleitung durch Prostaglandine in Form eines Gels oder Tabletten. Er gab sich zufrieden und wir sollten am Abend wiederkommen, da der Kreißsaal derzeit völlig überbelegt war. Es war der 5.5. und scheinbar wollten an dem Tag alle noch ihr Kind bekommen. Am Abend dann würde man den Katheter legen.

Also marschierten wir wieder heim, verbrachten noch eine Geburtstagsfeier mit der Familie und kamen gegen 20 Uhr zurück in die Klinik. Beim CTG-Schreiben sah man plötzlich Wehen. Ich spürte nichts. Daher ließ man die Ballonkatheter-Methode sein und ich sollte ein Zimmer beziehen. Es würde in der Nacht sicherlich eh losgehen. Pustekuchen. Als ich da allein auf meinem Zimmer hockte, hatte ich überhaupt nichts mehr. Nur Lust wieder heimzugehen. Ich schlief trotzdem wie ein Stein meine letzte Nacht mit Kind im Bauch.

Man ließ mich für Krankenhausverhältnisse lange schlafen. (Das erfuhr ich aber erst später auf der Wöchnerinnenstation als ich regelmäßig 6 Uhr aus dem Schlaf gerissen wurde.)

 

Die hormonelle Einleitung

Gegen 9.00 Uhr kam die Ärztin zur Visite. Ich fragte nach dem Ballonkatheter und sie antwortete nur, dass dafür nun nicht mehr genug Zeit wäre. Jetzt würden sie mit Tabletten einleiten. Ich wollte einfach nur mein Kind haben und beugte mich.

Im Nachhinein habe ich genau hier einen riesigen Fehler gemacht. An dieser Stelle hätte ich einfach wieder nach Hause gehen können. Es gab KEINEN Grund einzuleiten. Mir und meinem Kind ging es gut. Es gab überhaupt keine Anzeichen, dass die Geburt bald losgehen würde. Mittlerweile bereue ich, dass ich der Prozedur so einfach zugestimmt habe.

9.30 Uhr bekam ich eine halbe Tablette Cytotech. Nach nur einer Stunde hatte ich regelmäßige Wehen. Ab 13 Uhr musste ich die Wehen veratmen, 18 Uhr war der Muttermund 2-3 cm geöffnet und wir im Kreißsaal.

Die Wehen waren schwer zu ertragen. Ein Bad in der Wanne hielt ich nicht lange aus. Nichts konnte mir die Wehen angenehmer machen. Ich litt einfach so vor mir hin. Als die Geburt nicht richtig vorwärts ging, legte man mir einen Zugang. Erst am falschen Arm, obwohl ich immer wieder betonte, dass es an dem Arm nicht gehen würde und dann am richtigen Arm.

 

Komplikationen durch die Einleitung

Nach 30 Minuten und einem komplett zerstochenen Unterarm lag der Zugang und man ließ Oxytocin zum Wehensteigern in mich hineinlaufen. Die ganze Zeit hatte mein Mann aber schon das Gefühl, dass durch den Tropf nichts durchläuft und sprach die Hebamme darauf an. Man betonte, dass alles in Ordnung sei. Er kennt sich aber aus. Er arbeitet schließlich in dem Bereich in diesem Klinikum.

Bei 10 cm geöffnetem Muttermund platzte die Fruchtblase mit einem Knall und die Hebamme hinter mir musste sich erstmal sammeln und umziehen. Dann folgte der Wehensturm. Der Raum füllte sich, ein grelles Licht wurde eingeschaltet. Es war Schichtwechsel und eine ältere Hebamme löste die Hebammenschülerin im letzten Ausbildungsjahr ab. „Wir machen das jetzt so: 3 Wehen rechts, 3 Wehen links, dann ist es da“, gab sie im Befehlston von sich. Ich dachte nur, das würde ich schaffen. Sagen konnte ich nichts mehr.

In der Übergangsphase, wenn das Kind ins Becken gleitet, litt ich Höllenquallen. Einmal sah ich zu dem kleinen Fenster und dachte nur, wie es wäre, wenn ich jetzt einfach dort rausspringen würde. Ich fühlte mich eh schon halbtot. Mein ganzer Körper wurde auseinandergesprengt.

Wenn eine Wehe kommt, sollte ich pressen. Ich spürte aber keine Wehen. Es war ein Dauerschmerz, der nicht mehr aufhörte. Mit Wehen hatte das nichts zu tun. Also presste ich, aber eben auf Ansage nach CTG. Meinem Baby ging es zum Glück in der ganzen Zeit gut, es gab keinen Anlass zur Sorge.

Ich presste insgesamt eineinhalb Stunden. Von wegen 3 rechts, 3 links, eher 30 rechts und 30 links. Zwischendurch wollte man schon die Saugglocke ansetzen, da die Zeit der Austreibungsphase schon sehr lang war. Von der Diskussion habe ich aber zum Glück nichts mitbekommen. Das hat mir mein Mann erst Monate später erzählt bzw. habe ich es erfahren als ich mir den 80-seitigen Geburtsbericht habe schicken lassen.

Kurz vor Mitternacht war unser Baby dann da. Gesund und munter mit 4100 Gramm.

 

Noch mehr Komplikationen

Doch leider war es damit nicht geschafft. Die Schmerzen waren zwar weg, aber die Sorgen um mich nicht. Direkt nach der Geburt drehte man den Wehentropf voll auf, da ich keine Wehen mehr für die Plazenta hatte. Meine Gebärmutter war einfach am Ende. Sie hatte keine Kraft mehr. Die Plazenta löste sich, doch leider kam sehr viel Blut hinterher. Ich blutete und blutete. Dreimal haben sie die Plazenta auf mögliche Verletzungen überprüft und konnten nichts finden. Sie war riesig, aber unverletzt.

Minütlich wog man die verschmutzten Binden und Laken um einen ungefähren Eindruck zu bekommen, wie viel Blut ich verliere. Ich bekam einen Sandsack und einen Eisbeutel auf den Bauch, meine Beine wurden eng verschränkt. Die Gebärmutter sollte sich wieder zusammenziehen, tat es aber nicht. Gegen 2 Uhr sagte die Ärztin zu mir, sie würde jetzt einen Anästhesisten anrufen und man würde eine Ausschabung machen.

Ich wurde kreidebleich. „Ist das jetzt schon Ihr Kreislauf?“, fragte die Ärztin sehr beunruhigt und ich fuhr sie an: „Ich gehe nirgendwo hin. Ich habe gerade mein Kind bekommen. Ich lass mich doch jetzt nicht operieren. Ihr müsst das in den Griff bekommen.“ Eine OP in Vollnarkose kam mir so absurd vor. Noch nie hatte ich eine Narkose, wurde noch nie operiert. Ich fange damit heute nicht an! Ich hatte gerade so gelitten, ich wollte einfach nur meine Ruhe. Ich hatte Angst. Angst davor ohne Gebärmutter wieder aufzuwachen, wenn sie die Ursache der Blutung nicht finden. Ans Verbluten habe ich keine Sekunde gedacht.

Man bot mir eine Blutkonserve an. Ich lehnte ab. Ich fand es völlig absurd das Blut eines anderen zu bekommen, wenn ich es auch ablehnen kann. So schlimm scheint es ja nicht um mich zu stehen.

 

Hoffen und bangen

Die Ärztin gab mir noch eine Chance. Zwei Minuten. Wenn die Blutung in dieser Zeit ein kleines bisschen weniger werden würde, könne man schauen. Ich ging in mich, redete mit meiner Gebärmutter und bat sie nun Schluss zu machen. „Hör auf zu Bluten! Bitte! Lass mich jetzt nicht im Stich!“, befahl ich ihr.

2 Minuten später öffnete die Ärztin meine verschränkten Beine und wieder strömte das viel Blut aus mir heraus. Sie wog es und tatsächlich, es wurde weniger. Weitere 2 Minuten später war es wieder ein bisschen weniger.

Wir verbrachten noch weitere 8 Stunden im Kreißsaal.

 

Nach der Geburt

4 Tage später mussten wir das Krankenhaus verlassen: Bettenmangel. Ich habe es kaum die 3 Etagen hoch in unsere Wohnung geschafft. 4 Wochen lang habe ich mit meinem Kreislauf gekämpft. Ich hatte insgesamt 1,5 Liter Blut verloren. Das Stillen klappte nicht. Darüber habe ich in meiner Stillgeschichte geschrieben.

 

Mein Fazit nach Einleitung und natürlichem Geburtsbeginn

Heute 4 Jahre und eine weitere Geburt ohne Einleitung später weiß ich, dass ich nie wieder einleiten lassen würde.

Während meiner zweiten Schwangerschaft hatte ich Angst davor, dass man mir wieder eine Einleitung vorschlagen würde. Ich habe mir einen Schlachtplan zurechtgelegt, mich mit meiner ersten Geburt beschäftigt, einen Geburtsplan gemacht und über Hypnobirthing belesen. Ich wusste, dass ich mit dieser traumatischen Einstellung keine Chance auf eine „natürliche“ Geburt hatte und so arbeitete ich monatelang an meinem Trauma.

Schon Wochen vor dem errechneten Termin hatte ich diesmal regelmäßige Wehen. Ich hatte Vertrauen in mich und meinen Körper, dass diesmal alles besser laufen würde. Und tatsächlich: Meine zweite Tochter machte sich 6 Tage vor dem ET mit einem vorzeitigen Blasensprung auf den Weg und wurde innerhalb von 9 Stunden geboren. Den Geburtsbericht findest Du hier.

 

Warum ich nie wieder einleiten lassen würde

Die Schmerzen waren nicht zu vergleichen. Die Wehen genauso wenig. Die Wehen mit Einleitung waren viel stärker und kamen innerhalb von kürzester Zeit. Zwischen den Wehen war ich nie schmerzfrei. Die „natürliche“ Geburt ohne Prostaglandine war im Vergleich zur Einleitung gut beherrschbar! Durch die Einleitung gab es viele Komplikationen, die sich sehr lange hinzogen.

Heute rate ich grundsätzlich jeder werdenden Mutter von einer hormonellen Einleitung ab. Ich betone die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen und empfehle ihr eine zweite Meinung einzuholen. Vorher sollten wirklich ALLE anderen nicht-hormonellen Maßnahmen in Erwägung gezogen werden: Rizinuscocktail, Ballonkatheter usw.

 


Wie hast Du die Einleitung erlebt? Würdest Du es wieder tun?

 

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Comments

    • Martina
    • 25. Mai 2018
    Antworten

    Ich habe bei allen drei Kindern hormonell einleiten lassen und keine Komplikationen!
    Das erste Kind dauerte 8, das zweite 4 und das dritte 1 Stunde 😜…
    Sollte nr 4 ebenfalls so weit über den Termin gehen, werde ich es genauso machen..,
    Lg

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    • Ste
    • 20. Mai 2018
    Antworten

    Ich konnte mein 1. Kind natürlich gebären. Verlor um Mitternacht tröpfchenweise fruchtwasser. Da ich positiv auf bakterien getestet wurde, musste ich ins spital und dort leitete man die wehen ein. Nach cs 16 stunden war meine tochter da. Leider hörte ich nicht mit dem bluten auf und hatte somit eine auskratzung unter teilnarkose. Hatte bis dahin noch keine op oder narkose erlebt und hatte unglaublich angst alles ging gut und nach meiner 2. Geburt weiss ich dass meine gebärmutter sich nach der geburt zu wenig zusammen zieht. War jedoch in einem andern spital und diese kriegten die blutung mit einem zäpfchen in den griff.

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