Slow family – Warum ich nicht zur nächsten Ampel renne

Entschleunigung auf die harte Tour

Im letzten Jahr las ich diesen Artikel Warum ich aufhörte „Beeil dich“ zu sagen und fing fast an zu weinen. Genauso spielte sich unser damaliges Familienleben ab. Ich trieb mein 2-jähriges Zwiebelchen derart an und Sätze wie „Wir müssen weiter“, „Beeil dich“ oder „Komm‘ schon, wir sind schon zu spät“ waren keine Seltenheit. Eines Tages wollte meine Tochter partout nicht zum Sportunterricht und trotzte zu Hause vor sich hin. Die Tatsache, dass wir nicht zu diesem Termin erscheinen würden, machte mich völlig fertig. Wir gehen da jeden Montag hin und bezahlen schließlich dafür. Am Ende gingen wir nirgends hin und haben beide geheult.

Der und viele weitere Tage veränderten einiges: mittlerweile lassen wir es langsam angehen UND meine mittlerweile 3-Jährige geht zu keinem Kurs mehr, weder Sport, noch Musik. Ich bin der Meinung, dass so ein Kindergarten-Tag schon anstrengend genug ist. Danach sollen keine Aktivitäten mehr folgen, die besonders viel Aufmerksamkeit erfordern oder viele Regeln voraussetzen. Daher gehen wir nach der Kita nur noch auf den Spielplatz, direkt nach Hause oder maximal noch ein paar Lebensmittel einkaufen.

Ich schleppe meine Kinder nach so einem Kita-Tag auch nicht mehr durchs Einkaufscenter. Das erledigen wir am Wochenende oder noch besser online. Und ohne es gemerkt zu haben, sind wir immer mehr zur „Slow Family“ geworden.

Was ist Slow Family?

Im Grunde geht es darum,

  • möglichst viel stressfreie Zeit mit den Kindern zu verbringen.
  • viel draußen zu sein und von der Natur zu lernen.
  • den eigenen (Mutter-, Vater, Eltern-) Instinkten wieder zu trauen.
  • Erziehung nach dem Pippi Langstrumpf-Prinzip.
  • und um ein bewussteres Leben in Gemeinschaft (Familie, Nachbarschaft, das „Dorf“), denn der Mensch ist nicht geboren, um allein zu sein.

Das bedeutet für uns, dass wir eben kaum noch aufeinanderfolgende Termine wahrnehmen und in Kauf nehmen, dass wir auch mal zu spät kommen. Es gibt kein Programm. Die Kinder müssen nichts bestimmtes spielen und wenn sie die Regeln nicht beachten, mein Gott, davon geht die Welt nicht unter. Wir steigen einfach in das „neue Spiel“ ein.

Da wir einen Garten haben, können wir viel draußen sein. Kinder sind wahnsinnig interessiert an der Natur. Da können wir Erwachsenen noch was lernen, vor allem, wenn sie uns diese fiesen Fragen stellen, auf die wir keine Antworten haben. Betrachte doch ab und zu mal die Welt mit Kinderaugen und dein Verständnis wird größer.

Ich lasse mir von anderen keine Vorgaben (mehr) machen, wenn es gegen mein Bauchgefühl (Instinkt) spricht. Darauf zu vertrauen, ist bei dem vielen Input heutzutage nicht immer leicht.

Das Zwiebelchen ist eine richtige Pippi Langstrumpf. Sie widerspricht andauernd, ist selbstbewusst, mutig und stark. Solche Querdenker braucht meiner Meinung nach die Welt, keine angepassten Ja-Sager. Und darum versuchen wir, sie darin zu bestärken sie selbst zu sein. Auch, wenn es nicht immer leicht ist.

Und so rennen wir – als Slow family – auch nicht mehr zur nächsten Ampel. Wenn es grün ist, schön. Wenn nicht, auch gut, dann warten wir. Keine grüne Ampel ist den Stress wert. Diese Gelassenheit tut uns allen gut.
Und ehrlich, all das einzuhalten, ist nicht immer leicht. Natürlich verfallen auch wir immer mal in Terminstress. Aber die meiste Zeit klappt es ganz gut, denke ich… 😉

 

 

Und wie geht es dir damit?

Tut dir diese neue Gelassenheit auch gut? Hast du schon Erfahungen mit dem Slow family Konzept? Oder stehst du noch am Anfang? Lass doch einfach einen Kommentar hier und wir kommen ins Gespräch!

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Kommentare

    • alice
    • 11. Juni 2017
    Antworten

    wirklich lesenswert geschrieben! ein thema, was mich schon lange zum nachdenken bringt und ich erwisch mich immer wieder, wie i meine kinder in mein hamsterrad zu ziehen versuche …

      • Diana
      • 11. Juni 2017
      Antworten

      Liebe Alice, danke für Deinen Kommentar. Ich freue mich, dass ich Dich mit diesem Thema erreichen konnte und hoffe, du findest einen Weg, der dich und deine Familie glücklich(er) macht.

    • Kristin
    • 14. Juni 2017
    Antworten

    Unbewussterweise leben wir das schon weitestgehend. Wusste gar nicht, dass das schon „verkonzeptioniert“ wurde. Joscha zeigt mir auch relativ schnell, wenn ihm was zu viel wird oder nicht passt und ich habe eigentlich immer versucht, in dem Moment darauf einzugehen und mich langfristig darauf einzustellen. Mittlerweile haben wir, was das Programm und die Tagesgestaltung angeht, einen ganz guten gemeinsamen Weg gefunden. Soviel zu Instinkten trauen. 😉 Aber ab und an gibt es eben doch ein paar Termine, die man einhalten muss. Und ab und an fordert das Kind auch mal mehr Programm als „nur“ Spielplatz.

      • Diana
      • 14. Juni 2017
      Antworten

      Liebe Kristin, schön, dass das bei euch so gut klappt. Ab und zu müssen natürlich Termine wahrgenommen werden. Bei uns hat es sich bewährt, Arzttermine etc. noch vorm Kindergarten zu erledigen. Dann sind wir nämlich alle noch frisch und keiner ist müde und hungrig oder beides 😉

  1. Antworten

    Es fängt bei uns, den Eltern an. Da ich selbst nie zur Ampel oder nächsten Bahn rennen würde, warum sollte ich es mit dem Kind tun? Ich selbst verbringe nach getaner Arbeit einen entspannten Nachmittag zuhause auf der Terasse und schaue meinem Kind (2,5 Jahre) beim Spielen zu oder spiele selbstversunken mit. Welchen Druck sollte ich da weitergeben wollen?

    Wir haben keine Sporttermine oder Musik, das kommt in der Schule sicher noch zur Genüge. Ich denke, unsere Tochter ist beweglich genug und bekommt am Tag sehr viel Input, den sie verarbeiten muss. Das reicht und für das andere sind noch viele Lebensjahrzehnte übrig.

    Und ja, wir haben viel darüber nachgedacht, ob wir nicht mehr machen müssten. Dieser Artikel bestärkt meine Sicht darauf, es (aktuell) nicht zu tun. 🙂

    • Diana
    • 7. Juli 2017
    Antworten

    Hallo Stefan, es freut mich, dass der Artikel Dich in eurer Mentalität bestätigt. Leider leben wir momentan in einer derartigen Leistungsgesellschaft, dass wir schon unsere Jüngsten mit Terminen und Weiterbildung unter Druck setzen. Das einfache „Spiel“ sollte m. M. Im Vordergrund stehen, so wie du es auch beschreibst. Ihr macht es schon instinktiv so, aber ich möchte die gestressten Familien wachrütteln, es entspannter angehen zu lassen. Lg

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