10 Voraussetzungen als Mutter Vollzeit zu arbeiten

10 Vorausetzungen um als Mutter Vollzeit zu arbeiten

Nach zwei Kindern und insgesamt drei Jahren Teilzeitarbeit habe ich mich nun entschlossen wieder Vollzeit zu arbeiten. Dies ist für mich aber nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Daher liste ich hier meine 10 Tipps zur Vereinbarkeit für Mütter und Arbeitgeber. Diese Punkte solltest Du also bei Deinem Arbeitgeber einfordern.

Bei uns im Osten Deutschlands ist Vollzeitarbeit für Mütter historisch bedingt keine große Sache. 21 Prozent der Mütter mit Kindern unter drei Jahren hatten 2015 einen Vollzeitjob. In ganz Deutschland waren das gerade mal 10 Prozent. Quelle Dieser geografische Unterschied liegt aber nicht allein am Willen der Familien, sondern vor allem an den Rahmenbedingungen, die ich hier näher erläutern will.

1. Großzügige Öffnungszeiten von Kita und Schulhort

Grundbedingung um als Mutter zu arbeiten, ist eine gesicherte Betreuung des Kindes. Dieses Betreuungsangebot sollte ganztägig großzügige Öffnungszeiten haben. Erst so wird Vollzeitarbeit überhaupt erst möglich. Wir profitieren von Betreuungszeiten von 6.30 bis 18 Uhr und können die Kids in dieser Zeit 9 Stunden betreuen lassen – müssen dies aber natürlich nicht. Bei einem 8 Stunden Tag plus Anfahrt sind diese Zeiten auch unbedingt notwendig. Auch der spätere Schulhort hat in der Regel von 7 bis 17 Uhr geöffnet.

2. Qualitativ hochwertige Betreuung

Eine flexible Kinderbetreuung ist eine wichtige Voraussetzung als Mutter Vollzeit zu arbeiten. Dabei sollte aber auch beachtet werden, dass es sich um eine qualitativ hochwertige Betreuung handelt. Wenn meine Kinder nach einer ganztägigen Betreuung völlig fertig oder unzufrieden nach Hause kommen, wird eine Vollzeittätigkeit langfristig nicht möglich sein.

3. Gleichberechtigte Verteilung von Sorgearbeit

Zusätzlich brauche ich innerhalb der Partnerschaft eine gleichberechtigte Verteilung von Sorgearbeit. Vollzeit zu arbeiten und gleichzeitig mehrheitlich allein für die Kinder zuständig zu sein, kann funktionieren, wird aber auf Dauer ein Kraftakt und eventuell die Partnerschaft belasten. Besser wäre es, beide Partner teilen sich die Sorgearbeit in nahzu gleich großen Teilen: beide können die Bring- und Holdienste übernehmen, können sich bei Kranktagen abwechseln oder die Elternabende wahrnehmen.

4. Gleitzeit – flexible Arbeitszeit

Neben den flexiblen Öffnungszeiten der Kita oder des Schulhorts brauche ich als Vollzeit arbeitende Mutter eine Gleitzeitregelung. Das bedeutet, dass ich jeden Morgen flexibel selbst entscheiden kann, wann ich anfange oder aufhöre zu arbeiten. Außerdem werden auf einem Gleitzeitkonto Über- und Minusstunden erfasst, die so selbstbestimmt auf- und abgebaut werden können.

5. Kurze Kernarbeitszeit

Zur Gleitzeit gehört auch eine kurze Kernarbeitszeit, die nur maximal 5 Stunden pro Tag umfasst. Denn wenn die Kernarbeitszeit von 8 bis 16 Uhr ist, kann man sie sich auch sparen und der Effekt verpufft. Eine Kernarbeitszeit, in der alle Mitarbeiter anwesend sein müssen, von beispielsweise 9 bis 14 Uhr wäre erstrebenswert.

6. Homeoffice

Das mobile Arbeiten nimmt einen immer größeren Stellenwert im Arbeitsleben ein. Wer im Homeoffice arbeiten kann, hat die Möglichkeit ein älteres, krankes Kind zu betreuen oder Liegengebliebendes nachzuarbeiten. Diese Regelung kann viel Druck aus dem Spagat zwischen Familie und Beruf nehmen, wenn sie richtig angewandt wird. Das Homeoffice sollte dabei nicht unnötig bürokratisch, sondern flexibel und weitgehend unbegrenzt einsetzbar sein. Außerdem braucht es im Unternehmen eine Abkehr von der Präsenzkultur, das heißt, dass nur gut gearbeitet wird, wenn ein Mitarbeiter anwesend ist.

7. Flexible Arbeitsbedingungen auch für den Vater

In der Regel arbeitet auch der Mann Vollzeit, wenn die Mutter Vollzeit arbeitet. So lautet die Statistik. Damit nicht alle Sorgeaufgaben wie Bringen und Holen der Kinder und Arzttermine an der Mutter hängen bleiben, braucht der Vater die gleichen flexiblen Arbeitsbedingungen. Nur so wird eine Doppelvollzeit nicht zur Vereinbarkeitsfalle.

8. Kurzer Arbeitsweg

Zu den 38 bis 40 Stunden Wochenarbeitszeit gesellt sich in der Regel der tägliche Arbeitsweg. Um Vollzeit zu arbeiten und auch noch die Hälfte der Sorgearbeit zu übernehmen, sollte der Arbeitsweg meiner Meinung nach nicht länger als 45 Minuten für eine Strecke betragen. Alles andere geht zu Lasten der Familie, der Gesundheit und der eigenen Zufriedenheit. Eventuell ist der Weg gar nicht das Problem, sondern das gewählte Verkehrsmittel und es gibt noch eine schnellere (aber teurere) Möglichkeit.

9. Ein gutes Netzwerk

Um als Mutter Vollzeit zu arbeiten, braucht es ein gutes Netzwerk. Dazu gehören nicht nur Angehörige, die mal die Kinder von der Kita oder Schule abholen, sondern auch weitere Personen. So können sich Eltern zusammenschließen und Abholvereinbarungen treffen, damit die Kinder nachmittags zusammenspielen können, wenn ein langer Arbeitstag ansteht. Auch eine Babysitterin auf Abruf und eine Putzkraft können zu einem entspannteren Familienalltag beitragen. Ein Kind braucht ein Dorf und ich finde es gar nicht schlimm, wenn nicht nur die Eltern mit dem Kind spielen, Ausflüge machen oder aus der Kita abholen. Wichtiger finde ich, dass die gemeinsame Familienzeit, die man dann hat, auch intensiv und mit viel Aufmerksamkeit genutzt wird.

10. Flexibel bleiben und nicht zu viel erwarten

Vollzeit zu arbeiten und gleichzeitig für die Kids da zu sein, ist kein 100 Meter Lauf. Hierbei handelt es sich eher um einen Marathon, bei dem man sich seine Kräfte einteilen sollte. Veränderungen brauchen Zeit und auch Forderungen beim Arbeitgeber für mehr Vereinbarkeit werden selten über Nacht erfüllt. Also bleib flexibel, so dass Du Deine Ansprüche notfalls auch ein bisschen herunterfahren kannst. Vielleicht brauchst Du doch nochmal ein Jahr in Teilzeit, weil sich alles noch nicht so gut anfühlt. Das ist völlig ok. Setz Dich nicht unter Druck, weil Du einen Karriereplan erfüllen willst, der Dich eventuell gar nicht glücklich macht. Es kommen auch wieder andere Zeiten, die Kinder werden älter.

Arbeitest Du Vollzeit oder würdest Du gern? Welche Voraussetzungen sind Dir wichtig? Was würdest Du gern verbessern?

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Comments

  1. Antworten

    Hallo Diana,
    auch ich finde Punkt Nummer 1 am wichtigsten. Meine Kernarbeitszeit ist von 9-15 Uhr, aber ich könnte auch locker bis 16 Uhr arbeiten, einfach weil der Kindergarten und die Schule so lange Öffnungszeiten haben. Mein Mann hat feste Zeiten und arbeitet auch bis 16/17 Uhr – und es funktioniert super, sogar ohne Netzwerk, weil auf die Kinderbetreuung zu 100 % Verlass ist.

    Da ich noch die engen Betreuungszeiten aus unserer Bonner Zeit kenne (7:30-14:30 Uhr), kann ich längere Öffnungszeiten nicht genug loben. Sie sind soooo wichtig. Was hat uns das damals gestresst, immer 14 Uhr an der KiTa sein zu müssen und die ganzen Schließtage waren auch furchtbar. In Bonn habe ich das fehlende Netzwerk schmerzlich vermisst; in Dresden kommen wir ohne Netzwerk bestens aus.

    Da wir auch beide voll arbeiten, machen wir es wie ihr: Haushalt wird natürlich geteilt, aber auch die Sorgearbeit. So bringt mein Mann die Kinder morgens in KiTa/Schule und ich hole sie nachmittags ab. Kurze Wege finde ich auch super, wobei mein Mann mit 45 Minuten schon einen recht langen Weg hat, finde ich.

    • Yvonne vB
    • 15. Oktober 2019
    Antworten

    Leider haben wir hier kein „Dorf“ für die Betreuung unserer Kids. Daher ist es auch schon sehr schwierig für mich als Erzieherin eine Teilzeitstelle zu finden. Mein Mann arbeitet im Schichtdienst. Was bedeutet, dass unsere Kids in den Ferien nicht betreut sind, wenn ich arbeiten würde.
    Klar der Kiga hat nur 3 Wochen feste Schließzeit im Sommer. Aber die beiden Schulkinder wären dann teilweise sehr auf sich gestellt oder könnten in eine zu bezahlende Ferienbetreuung. Und das geht nicht. Finanziell kann ich dann auch weiter Zuhause bleiben.

    Ich hatte ein halbes Jahr lang eine tolle Stelle: Ich durfte eine Familie mit ihrem Pflegekind helfen und es unterstützen und auch die Pflegeeltern etwas entlasten. Dies war ein sehr flexibler Job und alles war bis auf das Kleinste mit meinem Mann durchorganisiert. Sein Freiwochenende wurde für mich halbiert, da ich dann Sa 8 Std. arbeiten war. Es war eine Umstellung für die ganze Familie. Dann kam die Mitteilung, dass die Stelle vom Jugendamt nicht weiter bewilligt wurde und ich ab sofort (es waren noch 2 Wochen zu arbeiten…) freigestellt sei.
    Es ist leider nicht überall möglich diese tollen 10 Punkte für sich oder auch die passenden 10 Punkte umzusetzen.
    Unser Kiga macht spätestens um 14.30 Uhr zu. Danach käme dann der Babysitter auf den Plan… Auf Dauer könnten wir uns das nicht leisten. Grundschule wäre bis max. 15 Uhr und unsere Große ist immer gegen 14.30 Uhr Zuhause mit dem Bus aus dem Nachbarort (20 km).

    Es ist nicht immer einfach und auch ich werde irgendeinen passenden Weg für mich finden. Ganz lieben Dank für Deinen Beitrag.

    1. Antworten

      Liebe Yvonne,
      Ich finde es echt schade, dass es nicht überall die gleichen guten Bedingungen gibt, aber ich bin beeindruckt, dass du es dennoch positiv siehst und ihr das beste für euch rausholt. Auch finde ich es toll, dass du jetzt nicht nur sagst: jaja, das kannst du ja behaupten mit deinen 10 Voraussetzungen, aber wo sind die schon. Oder sei froh, dass du es so gut hast…
      Cool, dass du den Artikel trotzdem lesenswert fandest und ich hoffe, du konntest etwas für dich mitnehmen.
      Liebste Grüße,
      Diana

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