Warum Krebsvorsorge für Frauen so wichtig ist

Warum Krebsvorsorge für Frauen und Mütter wichtig ist

Zwei Mal bangte ich in den letzten Monaten in den Telefonaten mit meinen Ärzten um das eine Wort „gutartig“. Plötzlich stand zum ersten Mal in meinem Leben die Möglichkeit im Raum, dass ich Krebs haben könnte. Aber ich möchte euch die Geschichte von Anfang an erzählen und zeigen, warum es so wichtig ist, die Krebsvorsorge beim Gynäkologen regelmäßig wahrzunehmen.

Der schockierende Anruf

Im Rahmen der Nachsorge ging ich 6 Wochen nach der Geburt unseres Sohnes zum Gynäkologen. Ich hatte keine Beschwerden, bat meinen Arzt aber mir anschließend den Eisenwert telefonisch mitzuteilen. Eine Woche später rief er mich an. Ich ahnte nichts böses, als er mir freundlich und einfühlsam sagte, dass beim Abstrich zur Krebsvorsorge eine Auffälligkeit festgestellt wurde. Eine Krebsvorstufe oder vielleicht mehr.

Hat er gerade „Krebs“ gesagt?

Ich versuchte ruhig zu bleiben und ließ mir die genaue Diagnose mitteilen: PAP IV. Meine Knie wurde weich, als ich auflegte. Mir liefen die Tränen. Ich war gerade aus dem Wochenbett, das mich mit Wochenflussstau und Brustentzündung an den Rand meiner Kräfte gebracht hatte und jetzt das?!

Er überwies mich an eine spezialisierte Gynäkologin, eine sogenannte Dysplasiesprechstunde. Sofort rief ich dort an und man gab mir einen Termin für den nächsten Tag, da die Praxis die kommenden drei Wochen wegen Urlaub geschlossen wäre.

Biopsie in der Dysplasiesprechstunde

Ich schlief schlecht, googelte meinen Befund und die möglichen Konsequenzen hoch und runter. So richtig beruhigend war das alles nicht. Ohne die Laborergebnisse aus der Biopsie war noch alles möglich.

Am nächsten Tag ging ich zu besagter Spezialistin. Sie erklärte mir meinen Befund und das weitere Vorgehen. Ich konnte all meine Fragen und Sorgen loswerden. Anschließend entnahm sie eine Probe vom Gebärmutterhals. Im Labor würde man nun herausfinden, wie stark verändert das Gewebe bereits tatsächlich ist.

Schnell wurde mir klar, dass die Entfernung des Gewebes sehr wahrscheinlich ist. Ich stellte mich also schon mal auf diesen Fall ein.

Drei Wochen später erhielt ich einen weiteren Anruf: Diagnose CIN 3. Das Gewebe muss im Rahmen einer Konisation entfernt werden. Aber das, was in der Biopsie gefunden wurde, waren immerhin alles gutartige Veränderungen. Also eine gute und eine schlechte Nachricht. Ich habe erstmal keinen Tumor, muss mich dafür aber operieren lassen. Damit es auch keiner wird!

Wir machten sofort einen Termin für die OP aus. Ich wollte auf keinen Fall länger als notwendig warten.

Konisation mit Still-Baby

Ich stille meinen 3 Monate alten Sohn voll. Daher war es mir besonders wichtig, zu wissen, ob die Operation trotz Stillen möglich ist. Und tatsächlich spricht nichts dagegen. Die kurze Narkose würde bereits kurz nach dem Aufwachen keine Auswirkungen auf die Muttermilch haben.

Drei Wochen nach dem Biopsieergebnis stand ich mit 7 weiteren Frauen unterschiedlichen Alters in der ambulanten Chirurgie. Alle würden heute ein Stück ihres Gebärmutterhalses hergeben.

Ich war nervös, da ich noch keine Erfahrungen mit Operationen und Narkosen hatte. Aber wenn mich diese OP vor einem möglichen Gebärmutterhalskrebs schützen würde, wollte ich es definitiv hinter mich bringen.

Kurz nachdem der Anästhesist mir erst das Schmerzmittel und dann das Narkosemittel spritzte, schlief ich ein und wachte gefühlt eine Sekunde später schon wieder in meinem Bett auf. Tatsächlich waren gut 10 Minuten vergangen.

Ich hatte weder Schmerzen noch spürte ich eine Veränderung untenrum. Als ich einige Minuten später wieder klar denken konnte, ging die Tür auf und die Schwester brachte mir meinen Sohn, den mein Mann zuvor betreut hatte. Ich stillte ihn sicherheitshalber im Liegen und gab ihn anschließend wieder an die Schwester zurück. Mir purzelten schon die ersten Steine vom Herzen. Erstens bin ich aus der Narkose ohne Probleme wieder aufgewacht (ich hatte da schon meine Zweifel ;-)) und zweitens musste mein Sohn nicht vor Hunger leiden. Er nimmt nämlich weder Schnuller noch die Flasche.

Eine Stunde später konnte ich den Verlauf der Konisation mit der Ärztin besprechen und dann fuhren wir nach Hause. Dort ruhte ich mich dann im Bett aus.

Nach der Konisation

Im Anschluss an die Konisation spürte ich keine Schmerzen. Ich hatte nur die vorausgesagten Blutungen. Ich sollte mich schonen, was mir allein mit einem Baby zu Hause plus nachmittäglichem Kita- und Schulrun aber kaum möglich war.

10 Tage später ging ich zur Nachkontrolle der Wunde zu meinem behandelnden Arzt. Dort würde er mir auch mitteilen, ob das veränderte Gewebe vollständig entfernt werden konnte bzw. ob es gutartig war. Ständig kreisten in der Woche meine Gedanken um die Möglichkeit, dass ich doch einen Tumor haben könnte oder, dass die Konisation wiederholt werden müsste. Ich war jedenfalls recht angespannt deswegen.

Leider lagen die Laborergebnisse noch nicht vor und so stellte ich mich auf einen weiteres Wochenende mit kreisenden Gedanken ein. Doch 2 Stunden später kam der erwartete Anruf. Es konnte alles entfernt werden und das Gewebe war gutartig. Da war das Wort wieder. Kein Krebs, nichts Bösartiges.

Wieder purzelten Steine. Die Krebsdiagnose war also vom Tisch und wieder so weit entfernt von einer 32-Jährigen und frischgebackenen Dreifachmama wie sie sein sollte.

In 6 Monaten wird der Krebsabstrich wiederholt und der ist hoffentlich wieder unauffällig wie in all den Jahren zuvor.

Warum die Krebsvorsorge so wichtig ist

Ich bin natürlich kein Arzt, möchte Dir aber trotzdem ein paar wichtige Infos zu Gebärmutterhalskrebs und der Krebsvorsorge zusammenfassen. Als ich anderen Frauen und Müttern von meiner Diagnose berichtete, wusste kaum eine, was dieser Abstrich beim Gynäkologen eigentlich bedeutet und warum es zu einem auffälligen Befund kommen kann. Das zu verstehen, hilft aber die jährliche Krebsvorsorge nicht länger aufzuschieben!

Ein paar Fakten zum Gebärmutterhalskrebs

Quelle

2016 erkrankten in Deutschland 4.380 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. 1.590 sterben jährlich an dieser Krankheit. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei ca. 67 %. Das mittlere Erkrankungsrisiko eines bereits wuchernden Tumors (invasiv) ist 55 Jahre, des viel häufigeren Vorstadiums (in-situ Karzinom, das sich noch nicht ausgebreitet hat) bei 35 Jahre.

Die Wahrscheinlichkeit an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken wird durch folgende Faktoren erhöht:

  • Infektion mit Hochrisiko-Humane Papillomviren (HPV 16 und 18)
  • Rauchen
  • viele Geburten
  • geschwächtes Immunsystem
  • Einnahme der Pille

Was kann ich selbst tun?

Frauen zwischen 20 bis 34 Jahren werden im Rahmen des Früherkennungsprogramms jährlich gynäko­logisch untersucht und bekommen dabei einen Zellabstrich vom Gebär­mutter­hals (PAP-Abstrich). Ab 35 Jahren wird zusätzlich alle drei Jahre ein HPV-Test gemacht. Die Ständige Impf­kommission empfiehlt, Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren gegen HPV zu impfen. Sie ersetzt aber nicht die Früh­erken­nung, da sie nicht vor allen Hoch­risiko-HP-Viren schützt.

Du kannst Dich also schützen, in dem Du zu den Früherkennungsuntersuchungen gehst und Deine Risikofaktoren so weit es geht minimierst!

Was passiert bei einem auffälligem Befund?

Gemäß der 5-stufigen Papanicolau-Skala (Pap-Skala) wird der zytologische Befund wie folgt beurteilt (Quelle):

Gruppezytologischer BefundVorgehen*
Iunauffälliger Befund
IIleichte, regenerative Entzündung
IIIschwere Entzündung, eine HPV-Infektion ist nicht auszuschließen3-monatige Verlaufskontrolle
IIIdleicht- bis mittelgradige Zelldysplasien als Hinweis auf eine CIN ISofortige Kolposkopie mit evtl. Biopsie
IVaschwere Zelldysplasien – CIN II, IIIBiopsie und histologische Diagnostik. Abhängig vom Befund eine Konisation.
IVbzusätzliches Vorliegen eines Karzinoma in situ möglichsiehe IVa
VZellbefund eines Zervixkarzinomsu.a. Konisation, Entfernung der Gebärmutter, Strahlentherapie

* Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten vorzugehen. Ich habe mich für die schulmedizinische Diagnostik und Behandlung entschieden. Sprich gerne mit Deiner Ärztin / Deinem Arzt über mögliche Alternativen!

Die Konisation ist übrigens oft Diagnostik und Therapie zugleich. Sie wird jährlich bei etwa 140.000 Frauen in Deutschland durchgeführt. In 90% der Fälle ist die Behandlung damit bereits abgeschlossen. (Quelle) Du siehst also, dass eine Früherkennung Schlimmeres in den allerallermeisten Fällen verhindern kann!

Eine unschöne Sache noch…

Die Krankenkassen haben seit dem 1.1.2020 beschlossen, dass Frauen ab 35 Jahren, die keine Risikofaktoren haben und niemals PAP-Auffälligkeiten besaßen, nur noch alle 3 Jahre den PAP- Abstrich erhalten sowie die HPV- Testung. Kein Witz. Die Frauenärzt*innen können ein Jahr nach der Krebsvorsorge, falls es medizinisch indiziert ist, einen PAP- Abstrich machen lassen und abrechnen, ansonsten ist das eine Leistung, die die Frauen ab jetzt selbst übernehmen müssen.

Das ist eine absolute Frechheit, da in den drei Jahren viel passieren kann und so ein auffälliger PAP – Abstrich eventuell noch „kippt“. Wie bei mir, da entwickelte sich der PAP I innerhalb von nicht mal 9 Monaten zu PAP I V.

Viele Frauen wissen gar nicht, dass das mir nichts dir nichts von den Kassen so abgesegnet wurde und sich im Rahmen der Krebsvorsorge für die Frauen viel verändert hat.

Eine liebe Leserin von mir, die Ärztin ist, rät daher trotz allem: Auch wenn es im Portemonnaie schmerzt, ich würde jeder Frau raten, sich jährlich für den PAP- Abstrich beim Arzt vorzustellen, denn eine Veränderung tut nicht weh! Die Dysplasie macht keine Symptome, erst der Krebs in einem fortgeschrittenen Stadium.

Gehst Du regelmäßig zur Krebsvorsorge?

Welche Erfahrungen hast Du mit dem PAP-Test gemacht? Hattest Du schon einmal einen auffälligen Befund oder gar eine Konisation?

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