Rituale in der Familie vermitteln Geborgenheit

Rituale in der Familie vermitteln Geborgenheit

Das Wort Ritual stammt vom lateinischen ritualis und bedeutet „den religiösen Brauch betreffend“. Gemeint ist eine Handlung, die sich durch eingeschliffene oder festgeschriebene Regeln wiederholt. Warum Rituale für eine Familie so wichtig sind und wie sie auch uns Erwachsenen helfen, zeige ich Dir in diesem Artikel.

 

Geborgenheit durch Wiederholung

Für Kinder bieten Rituale Stabilität und vermitteln Geborgenheit im Alltag voll neuer Erfahrungen und Eindrücke. Wie viele Rituale es in einer Familie gibt, ist eher zweitrangig. Wichtiger ist die Verlässlichkeit, mit der die Rituale eingehalten werden. Damit sind natürlich auch Bräuche gemeint wie das Aufstellen des Weihnachtsbaums oder das Backen der Weihnachtsplätzchen in der Vorweihnachtszeit.

Es sind aber vor allem die alltäglichen klitzekleinen Kleinigkeiten gemeint, die achtsam eingesetzt ihre volle Wirkung erzielen. 5 einfache Prinzipien, die achtsame Eltern anders machen, findest Du hier.



Kinder fordern sich diese wiederkehrenden Abläufe ein. Dies sollten wir als Zeichen wahrnehmen, dass sie sie brauchen.

Meine jüngste Tochter hat zum Beispiel immer denselben Ablauf, wenn wir sie ins Bett bringen. Dabei ist es egal, wer sie ins Bett bringt. Einzig der Ablauf gibt ihr die Rückversicherung, dass alles in Ordnung ist, dass sie sich jetzt fallen lassen und in Ruhe einschlafen kann. So macht sie selbst das Licht aus, gibt jedem noch ein Küsschen, winkt, macht ein anderes Licht aus, schmeißt den Schnuller weg und streckt die Zunge raus, da sie gestillt werden möchte. Dies wiederholt sich jeden Abend. Nach 5 Minuten ist sie eingeschlafen.

 

Rituale in der Familie schaffen Stabilität – auch in fremder Umgebung

Ein großer Vorteil von Ritualen ist, dass wir sie mitnehmen können. Küsschen verteilen und selbst das Licht ausmachen, kann das Kind auch an einem weniger bekannten Ort. Ja, sogar auf Omas Arm kann dies weiteres Vertrauen schaffen. So führen auch kleine Rituale zu mehr Sicherheit in fremder Umgebung.

Rituale setzen Anker

In schwierigen Situationen können Rituale eine Familie zusammenschweißen. Sie setzen positive Anker, an die sich die Kinder erinnern. So überwiegt nicht das Leid oder die Trauer, sondern das Gefühl von Zusammenhalt. Instinktiv suchen wir diese Anker.

Mein Anker war in der letzten Woche meine große Tochter selbst. Ich ließ sie neben mir im Bett schlafen, als meine Oma eine Woche lang auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfte. Meine Tochter neben mir liegen zu haben, gab mir Halt und beruhigte mich in der Nacht, wenn mich die Bilder vom Tag in meinen Träumen verfolgten. Und genauso geht es auch den Kindern: Daher sei nicht genervt, wenn sie auf ihren festen Handlungen bestehen.

Auch uns Erwachsenen tun Rituale gut

Uns Erwachsenen sind unsere eigenen Rituale oft gar nicht bewusst. Aber auch uns geben sie Sicherheit. Ich zum Beispiel lese vor dem Einschlafen noch ein bisschen auf dem Telefon, sortiere meine Gedanken und mache mir letzte Notizen. Das hilft mir richtig abzuschalten, da ich weiß, dass ich alles erledigt habe. Auf dem Sofa einzupennen hingegen, irritiert mich, da ich mich dann nicht bewusst in mein Bett gelegt und vom Tag „verabschiedet“ habe.

Versuche also Deine eigenen Rituale zu reflektieren und übertrage diese Gedanken auf das Bedürfnis nach Ritualen bei Deinen Kindern.

 

Nicht übertreiben

Ein Tischspruch – ein weitverbreitetes Ritual vor dem Essen – ist schön um Kindern beizubringen, dass erst mit dem Essen begonnen werden soll, wenn alle am Tisch sitzen. Du solltest es aber nicht übertreiben. Eine Einjährige bringt noch nicht so viel Geduld mit. Entweder setzt Du sie später an den Tisch, so dass die Wartezeit verkürzt wird oder sie darf eben schon mal von einer Scheibe Brot essen.

Wenn ein Ritual Druck ausübt und Stress bei den Kindern oder Erwachsenen auslöst, dann sollte es abgemildert werden. Ein Ritual soll Geborgenheit vermitteln, nicht das Gegenteil. Sie dürfen sich durchaus verändern oder an das Alter der Kinder angepasst werden.

 

Mit Ritualen kannst Du kein Kind „verwöhnen“

Manche Eltern befürchten, dass sie ihre Kinder mit Ritualen und den immer gleichen Abläufen verwöhnen und sie ohne diese nicht mehr klar kommen. Die Gefahr ist natürlich, dass ein Kind beispielsweise auf seinem Abendritual besteht und ohne nicht einschlafen möchte. Wenn es für euch als Eltern zu einem Zwang wird, das Ritual einzuhalten, solltet ihr es abmildern. Auch für euch als Eltern muss das Ritual angenehm sein.

Ich musste meine große Tochter das erste Jahr immer in den Schlaf wiegen. Rituale sind schön, aber Rückenschmerzen sind es nicht wert.

Du kannst Dein Kind nicht mit einem Ritual „verwöhnen“. Es wird sich an den Ablauf gewöhnen und wenn ihr ihn ändert – auch daran.

 

Achtsamkeit - Rituale in der Familie vermitteln Geborgenheit - zweitöchter

Kinder fordern sich diese wiederkehrenden Abläufe ein. Die sollten wir als Zeichen wahrnehmen, dass sie sie brauchen. - Achtsamkeit - Rituale in der Familie - zweitöchter

 

Welche Rituale habt ihr? Worauf möchtest Du nicht mehr verzichten?

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