Kinderbuch über den Tod: „Nasse Nasenspitzen-Küsse“ | Rezension

„Und dann bin ich tot.“

Diesen Satz höre ich seit einiger Zeit immer wieder von meiner 3-Jährigen. „Wenn ich mich ganz doll verschlucke, dann bin ich tot. Wenn ich nicht mehr laufen kann, dann bin ich nämlich tot.“ Solche Sätze, die scheinbar wirr sind und dennoch Sinn ergeben. Sie versucht sich die Welt zu erklären. Sie möchte, dass ich ihr darauf antworte, widerspreche und erkläre.

Bestimmt graut es jedem mit Kindern vor dieser Frage: „Mama, was passiert, wenn man tot ist?“ Denn freilich haben wir keine „richtige“ Antwort, dennoch können wir ehrlich vermuten und versuchen, das Unerklärliche in Worte zu fassen. Und genau das hat auch Theresa Zeitz mit ihrem Kinderbuch über den Tod „Nasse Nasenspitzen-Küsse“ versucht, als ihre Tochter Coco ihr diese Frage gestellt hat.

„Was ist mit Oma Gerda und Hund Pommes passiert?“

Cover Nasse Nasenspitzen-Küsse
Cover Nasse Nasenspitzen-Küsse

Im Buch erklärt Tante Elfriede der kleinen Louise, was mit Oma Gerda und ihrem Hund Pommes passiert ist. Es wird beschrieben, wie es sich dort anfühlt, wo die Verstorbenen sind, ja sogar wie sie aussehen. Außerdem erfährt Louise, was es mit dem Vermissen und der Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen oder Tieres auf sich hat und wie sie damit umgehen kann. Und für mich liegt hierin der eigentliche Wert der Geschichte: Louise lernt, dass sie den Verstorbenen Briefe schreiben, an sie denken und ihnen „Küsse an die Seelen-Ballons“ schicken kann. So wurde auch für meine Tochter der Umgang mit Trauer greifbarer.

Das Format des Kinderbuches ist ansprechend groß, ideal um gemeinsam auf dem Schoß durchzublättern. Auch die Länge des Buches mit 27 Seiten finde ich angemessen. Beim ersten Lesen sind wir nur ein paar Seiten gekommen, da ich mit meiner Tochter zunächst intensiv über den für sie neuen Begriff der Seele und die Tatsache, dass den Verstorbenen im Buch die Beine fehlen und regenbogenartige Flügel gewachsen sind, gesprochen habe. Das musste sie erstmal verarbeiten.

Nach ein paar Tagen hat sie die Geschichte wiederholt und so wusste ich, dass es Zeit ist, weiterzulesen. Wir haben die Geschichte dann zu Ende gelesen – ohne Zwischenfragen. Sicherlich werden wir das Buch noch einige Male hervorholen, wenn das Thema Tod und Sterben wieder aufkommt. Da unsere Uromi Gerda heißt und ich meine Tochter nicht verwirren wollte, habe ich den Namen geändert. Das würde ich beim gemeinsamen Vorlesen empfehlen.

Buchgestaltung

Die Illustrationen finde ich sehr ansprechend. So ist auf jeder Seite nur ein Motiv zu sehen, über das gesprochen wird. Der Hintergrund ist weiß, der Kontrast hoch. Die Gefahr der Überforderung durch die Bilder erscheint mir daher gering. Auch farblich sind die Illustrationen sehr natürlich und für ein Kind nachvollziehbar gehalten. Meine Tochter wird sich außerdem mit dem blonden Mädchen mit den zwei Zöpfen gut identifizieren können. Das Papier ist für Kinderhände angenehm griffig und strapazierfähig.

Fazit

Ich denke, wir haben als Eltern eine große Verantwortung zu diesem Thema. Von manchen wird es im wahrsten Sinne totgeschwiegen, andere haben religiöse Deutungen. Die Verantwortung liegt meiner Meinung nach darin, die Tabuisierung zu durchbrechen, mit Kindern offen über Ängste, aber auch über ein Leben der Angehörigen nach dem Tod eines geliebten Menschen zu sprechen. Das Buch bietet dafür wunderbare Anknüpfungspunkte sich dem Thema zu nähern und finde ich daher absolut empfehlenswert.

 

Weitere Informationen

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Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zu Verfügung gestellt.

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Kommentare

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