Berufsbegleitend studieren mit Kindern: mein Weg zum Master

Berufsbegleitend studieren mit Kindern: Mein Weg zum Master - zweitöchter

14 Wochenenden mit 3 Hausarbeiten, 3 Referaten, 8 Klausuren und eine Masterarbeit später, halte ich meine Masterurkunde in den Händen. Ich habe es geschafft. Nach drei Jahren habe ich mein berufsbegleitendes Masterstudium als mittlerweile Zweifachmama abgeschlossen.

Zeit zurückzublicken und Gelerntes weiterzugeben.

Warum noch einen Master machen?

„Studierst Du dann eigentlich noch fertig?“, wurde ich kurz nach dem Abschluss meines Bachelorstudiums von einer über 10 Jahre älteren Arbeitskollegin gefragt. Diese Frage traf mich als 23-Jährige mit einem unbefristeten Vertrag in einem weltweit tätigen Konzern doch recht hart. Natürlich ist ein Bachelorabschluss ein Hochschulabschluss, aber so richtig vollständig und konkurrenzfähig habe ich mich gegenüber meinen Mitbewerbern und Kollegen mit Diplom nicht gefühlt.

So habe ich den Master anfangs fürs Gefühl angestrebt und währenddessen gemerkt, wie viel mehr er für mich ist…

Den passenden Studiengang finden

Als ich im Sommer 2015 mehr oder weniger zufällig über das berufsbegleitende Masterstudium an der Hochschule Schmalkalden stolperte, hätte ich nie gedacht, dass die kommenden drei Jahre so arbeitsintensiv, aber auch so lehrreich werden würden.

Zunächst überzeugte mich der Studiengang der Unternehmensführung mit seinem Lehrplan. Ein nicht-konsekutives BWL-Studium (ein Master, der nicht auf einem BWL-Bachelor aufbaut) war mein Ziel und endlich war es möglich. Ich habe einen Bachelor in Mediengestaltung. Daher war klar, dass ein konsekutiver Master in Betriebswirtschaftslehre nicht realistisch ist.

Bewerbung und Finanzierung

Nach einer Woche hatte ich meine Bewerbungsunterlagen zusammen. Weitere 2 Wochen später die Zusage. Eine Hürde war genommen, eine andere stand noch vor mir. Die Studiengebühren sind hoch. Über 12.000€ betragen allein die Kosten für die Hochschule. Hinzu kommen noch Reisekosten für Übernachtung und Benzin.

Also sprach ich kurze Zeit später mit meiner Vorgesetzten. Die Hälfte der Kosten wurden daraufhin von meinem Arbeitgeber übernommen. Das Studium kam also in greifbare Nähe. Tatsächlich hatten über die Hälfte meiner Kommilitonen im Jahrgang einen Sponsor für ihre Studiengebühren.

Wenige Wochen später startete das Masterstudium in Schmalkalden. Wir waren der zweite Jahrgang in diesem Studiengang.

Die ersten beiden Semester

Diese Zeit war vor allem durch die Umstellung geprägt. Unsere Tochter war gerade eineinhalb Jahre und so fuhren mein Mann und sie das erste Wochenende mit ins 100 km entfernte Schmalkalden. Dort fanden sie unter anderem einen Indoor-Spielplatz.

Die 4 Module des ersten Semesters vergingen schnell, waren aber rückblickend sehr arbeitsintensiv.

Im zweiten Semester kündigte sich dann unsere zweite Tochter an. Mit dickem Bauch schleppte ich mich in die Vorlesungen. Hin und wieder konnte ich einen Tag später kommen oder später gehen, um auch meiner Verantwortung als Mutter einer mittlerweile 2-Jährigen gerecht zu werden.

Die Studienorganisation veranstaltete am Ende des zweiten Semesters eine Paddeltour auf der Werra und ein gemeinsames Abendessen. An den Vorlesungswochenenden gab es auch immer mal wieder freie Zeit um Schmalkalden oder die Gegend im Thüringer Wald zu erkunden.

Die Geburt stand an – Urlaubssemester

Die Studienorganisation des Weiterbildungszentrums der Hochschule kam mir bei der Planung der Module sehr entgegen. Durch die Geburt verpasste ich zwei Module. Obwohl ich offiziell beurlaubt war, durfte ich an zwei Modulen des dritten Semesters teilnehmen und sogar Prüfungen ablegen. Das nenne ich mal Vereinbarkeit von Familie und Studium!

Unsere jüngste Tochter besuchte ihre erste Vorlesung kurze Zeit später im Alter von 5 Wochen. Mein Mann und sie verbrachten die Vorlesungstage in Schmalkalden und sobald sie stillen wollte, brachte er sie mir in einen Pausenraum.

Der Studienabschluss

Im vierten Semester kehrte ich offiziell ins Studium zurück. Ich war noch in Elternzeit. Dies erwies sich aber sogar als Vorteil. Ich hatte den Kopf frei fürs Studium. Und so verging auch dieses Semester mit seinen 4 Modulen recht flott.

Das fünfte Semester war für meine Kommilitonen das letzte Semester und beinhaltete die Masterarbeit. Ich hatte allerdings noch 2 Module offen, die ich dann trotz Rückkehr in den Job nachholen konnte. Da ich in dem Semester nur 2 statt 4 Module belegen musste, konnte ich etwas früher mit der Masterarbeit beginnen.

Die Abschlussarbeit

Statt der regulären 6 Monate hatte ich also 9 Monate für meine Masterarbeit zum Thema Teilzeitführungsmodelle von Eltern aus der Generation Y zur Verfügung. Die Antragstellung war unkompliziert, zwei Professoren zur Betreuung schnell gefunden. Die Zusammenarbeit über die Distanz war einfach und effizient.

Gut 2 Wochen nach der Abgabe habe ich die Arbeit am Studienort vorgestellt und verteidigt. In der Terminfindung richtete man sich sehr nach mir und meinen Bedürfnissen als arbeitende Zweifachmutter. Ich konnte so alles gut vereinbaren.

Fazit

Prioritäten setzen

Ich habe in den letzten 3 Jahren viel über Priorisierung gelernt. Natürlich ist ein berufsbegleitendes Masterstudium anstrengend und zeitintensiv. Durch gute Planung und eine gute Kommunikation zur Studienorganisation kam ich immer gut voran.

Mit Kindern konnte ich mir nie – wie noch im Bachelorstudium ohne Kinder – bis zum letzten Tag Zeit lassen. Meistens machen einem die Kleinen einen Strich durch die enge Zeitplanung. Auch mussten oft 80% Aufwand reichen. Mehr Zeit und Energie hatte ich einfach nicht für Controlling oder Volkswirtschaftslehre. Aber diese Strategie hat an dieser Stelle für „gut genug“ gereicht. Mit meinem Studienabschluss bin ich sehr zufrieden.

Ein Umfeld, das unterstützt

Wer berufsbegleitend mit Kindern studieren möchte, braucht einen guten und engagierten Partner und ein wohlwollendes Umfeld. Oft haben wir die Große zu den Großeltern gegeben, damit sie nicht am Studienort herumlungern musste, bis die Kleine wieder gestillt werden wollte. Auch mein Mann hat mir oft den Rücken freigehalten.

In all der Zeit des Studiums habe ich in Teilzeit gearbeitet. Vollzeit mit Kindern berufsbegleitend studieren, halte ich tatsächlich für unmöglich. Dann kommt sicherlich etwas zu kurz. Das wollten wir nicht und in Teilzeit war die Dreifachbelastung ohne einen Burn-out zu bekommen gut möglich.

Ich würde das berufsbegleitende Studium an der Hochschule Schmalkalden weiterempfehlen. Gerade für Mütter kann es eine attraktive Möglichkeit zur Weiterqualifizierung sein.

5 Tipps wie Du erfolgreich, berufsbegleitend studierst trotz Kindern

Baue Dir ein zuverlässiges, soziales Umfeld auf.

Die harte Wahrheit ist: Du wirst es nicht allein schaffen. Du brauchst Menschen, die Dir die Kinder abnehmen, wenn Du lernen oder schreiben musst. Du brauchst Menschen, die Deine Kinder betreuen, wenn sie kurz vor der Prüfung krank werden. Ohne sie geht es nicht!

Bleib flexibel.

Du hast Dir vielleicht vorgenommen, das kommende Wochenende komplett für das anstehende Referat zu nutzen. Und dann werden außer Dir alle in der Familie krank und Du musst die Krankenschwester spielen. Bleib flexibel und plane genug Zeit für alle Eventualitäten ein.

Schraube Deine Ansprüche ein wenig runter.

Wenn Du zu Perfektionismus neigst, solltest Du Dich mit der 80/20-Regel auseinandersetzen. Natürlich kannst Du versuchen, alles perfekt zu machen. Es wird Dir und Deiner Familie aber deutlich besser gehen, wenn Du das Studium entspannt angehst und Dich nicht in einer Aufgabe total verstrickst. Die letzten 20 Prozent kosten unglaublich viel Kraft. Und schlafen musst Du ja auch irgendwann mal noch. Selbst das ist ja mit Kindern nie sicher…

Spiel die Kinderkarte aus.

Kinder haben, hat beruflich wie auch im Studium viele Nachteile. Mit Kindern ist man ständig hin- und hergerissen zwischen der Verantwortung und den Verpflichtungen, die man zugesichert hat. Hin und wieder kannst Du die Kinderkarte zu Deinem Vorteil nutzen und die Kinder vorschieben, wenn Du mal früher gehen oder später kommen möchtest. 

Spezialisiere Dich auf Deine Lieblingsthemen.

Natürlich sollst Du Deine Allgemeinbildung erweitern und viele verschiedene Dinge im Studium lernen. Wenn Du jedoch versuchst Deine Lieblingsthemen in Referaten und Hausarbeiten einfließen zu lassen, wird Dir die Arbeit deutlich leichter fallen. So bist Du motivierter und schneller.

Mehr Informationen zu den berufsbegleitenden Masterstudiengängen an der Hochschule Schmalkalden findest Du hier. Bei Fragen zum Studium kannst Du Dich gern an die Studienorganisatorin Anke Köhler unter a.koehler[at]hs-sm.de wenden.

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Tags: journal

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Comments

    • Magdalena P.
    • 11. April 2019
    Antworten

    An erster Stelle: Herzlichen Glückwunsch für diese Errungenschaft! Ich finde es sehr erstaunlich, wie du das alles geschafft hast trotz Kinder. Ich muss ehrlich sagen, dass ich vor solchen Leistungen großen Respekt habe. Ich studiere auch berufsbegleitende (aber ohne Kinder) und muss schon ordentlich rudern, damit ich alles unter einen Hut bekomme. Gut, vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich nicht unbedingt das Organisationstalent bin. Wie auch immer. Ich finde deine Leistung sehr lobenswert und finde es darüber hinaus auch noch sehr schön, dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt. Vielen Dank dafür!

    Ich hatte, wie du im ersten Abschnitt beschrieben hast, einen ähnlichen Moment, als eine mir doch recht bekannte Person gesagt hat, dass ein Bachelor ja nicht wirklich ernst zu nehmen sei. Erst ein Master wäre mit einem Diplom vergleichbar. Auch wenn ich es ungern zugebe, doch so hat mich diese Aussage auch hart getroffen. Das war am Ende nie die Motivation, dass ich das Studium antrete, aber diese Aussage hat mich auch nie wirklich verlassen… unabhängig davon bin ich trotzdem froh, dass ich mich dazu entschieden habe den Master anzugehen. Auch wenn viel Freizeit investiert werden muss, so bin ich froh, dass ich den berufsbegleitenden Master an der mah-hd.de Hochschule in Ludwigshafen angetreten bin. Was ich nicht gedacht habe, war wie viel ich doch noch dazu lernen konnte – auch so für den Beruf.

    Es war sehr schön deinen Beitrag gelesen zu haben. Vielen Dank dafür und schon mal ein schönes Wochenende!
    LG Magdalena 🙂

    „Hab Geduld, alle Dinge sind schwierig, bevor sie einfach werden.“ – Französisches Sprichwort.

    1. Antworten

      Liebe Magdalena,
      vielen lieben Dank für Deine Worte. Die bauen mich gerade echt auf!
      Ich wünsche Dir viel Erfolg und Durchhaltevermögen für Deinen Master in Ludwigshafen.
      Du schaffst das!
      Viele Grüße,
      Diana

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