Was mich am Liebe-deinen-Körper-Hype stört

Er ist in aller Munde: der Hype um Body positivity, Selbstliebe und die Annahme des eigenen Körpers, wie er eben ist. Ich teile selbstverständlich viele Grundannahmen dieser Entwicklung. Gleichzeitig fallen mir zwei Aspekte zu oft hinten runter. Warum mich dieser Hype also auch hin und wieder nervt, erkläre ich Dir in diesem Artikel.

Was ist Body positivity?

Bei Body positivity (zu dt. positiver Blick auf den Körper) geht es um die positive Haltung gegenüber dem eigenen Körper. Im Zentrum steht die Abwendung von gängigen, gelernten Schönheitsidealen, die oft diskriminieren und unrealistisch sind.

Im aktuellen Hype in den sozialen Medien zeigen also beispielsweise kurvige, übergewichtige Frauen oder Menschen mit sichtbaren Muttermalen, Narben und Unreinheiten, dass sie ihren Körper dennoch lieben und betonen, wie gut sie im Leben klarkommen, ohne Schönheitstrends hinterherzulaufen. Sie zeigen sich, wie sie eben sind. Gleichzeitig wollen sie auch andere Menschen dazu ermutigen, offen zu ihren Körpern zu stehen. Scham, Verstecken und Kaschieren sollen der Vergangenheit angehören.

Eine tolle Entwicklung!

Natürlich finde ich es gut, wenn sich Menschen auch ungeschminkt wohl fühlen und sich in der Öffentlichkeit ohne Scham und Angst vor Verurteilung bewegen. Der Körper eines Menschen sollte nur den betreffenden Menschen selbst etwas angehen.

Auch ich kann mich an Zeiten in meinem Leben erinnern, als ich mich immer ein paar Kilos zu schwer fand und mir die Kleiderauswahl daher Kopfzerbrechen bereitete. Auf Fotos fand ich mich oft zu dick oder einzelne Körperpartien nicht perfekt. Ich weiß, woher diese Gedanken kamen und habe diese Einflüsse heute abgeschüttelt.

Mittlerweile kann ich meine Makel sehr gut annehmen. Dennoch finde ich Punkte, die mich an meinem Körper stören, denn sie haben weniger mit Schönheitsidealen zu tun, sondern mit dem Umgang mit meinem Körper. Hier meine Gedanken zu Dehnungsstreifen nach der Schwangerschaft.

Was bei Body positivity vergessen wird

Wenn sich stark übergewichtige Menschen vor eine Kamera stellen und behaupten, dass jeder seinen Körper so annehmen soll, wie er ist, dann triggert mich das. Mir geht das zu weit! Bei Übergewicht hört bei mir das Verständnis auf!

Klar darf sich ein übergewichtiger Mensch in seinem Körper wohlfühlen, aber dafür quasi Werbung machen, dass es okay ist, ungesund fettleibig zu sein, vergisst zwei Punkte: die Vorbildfunktion und auch die Verantwortung.

Jede/r ist ein Vorbild

Gerade das mütterliche Übergewicht korreliert stark mit dem Gewicht des Kindes. (Studie) So orientieren sich Kinder vor allem am Ess- und Bewegungsverhalten ihrer Mütter. Bei Jugendlichen nimmt dann auch der Einfluss des Gewichts des Vaters und der Geschwister zu. Welche gesundheitlichen und psychischen Schäden Übergewicht bei Kindern verursachen kann, muss ich hier sicherlich nicht ausführen.

Welches Vorbild wollen wir also sein? Eins, das Narben und einen schlaffen Bauch entspannt annimmt oder das Vorbild, das 30 Kilogramm Übergewicht vor der eigenen Familie in ein positives Licht rückt? Es ist wie immer eine Gratwanderung!

Gesundheit geht vor Selbstliebe

Neben der Vorbildfunktion ist Übergewicht auch ein großes Risiko für gesundheitliche Probleme. So ist die Erhöhung des Krebsrisikos in diesem Zusammenhang wissenschaftlich belegt (Quelle). Auch die Zunahme an Typ II Diabetes oder das steigende Risiko für Herzinfarkte ist weitgehend bestätigt (Quelle).

Ich rede hier also nicht von einem Schönheitsideal, das uns am Untergewicht kratzen lässt. Mir ist es wichtig, dass Übergewicht nicht idealisiert und normalisiert wird. Denn nur weil schon jede/r Dritte übergewichtig ist, sollte diese gesundheitsgefährdende Lebensweise weder als normal propagiert, noch verharmlost werden.

Grenzen des Hypes um die Selbstliebe

Jede/r kann und soll unbedingt den eigenen Körper lieben (dürfen). Gleichzeitig sollte die Gesundheit nicht vernachlässigt werden. Wir alle sind Vorbilder und geben gerade jüngeren Menschen eine Orientierung in Sachen Körperbewusstsein, Ernährung und Bewegung. Starkes Übergewicht, aber auch Untergewicht sind nicht gesund und sollten meiner Meinung nach nicht als Body positivity vermarktet werden.

Lieber wünsche ich mir die Botschaft:

„Hey, ich laufe mit ein paar Kilos zu viel herum. Ich liebe meinen Körper. Ich weiß, dass das Übergewicht meinem Körper auf Dauer schadet (und ich tue etwas dagegen). Bewege Dich und ernähre Dich gesund!“

Wie geht es Dir mit dem Thema Selbstliebe?

Kannst Du Deinen Körper annehmen, wie er ist?

Geht dir der Hype auch manchmal zu weit?

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