Warum Du als Frau auch in Teilzeit Führungskraft werden solltest

Warum Du als Frau auch in Teilzeit Führungskraft werden solltest

Nicht selten herrschen große Vorurteile gegenüber Teilzeitkräften, manche Arbeitnehmer*innen landen gar auf dem Abstellgleis. Aber Teilzeitarbeit muss keine Falle, kein Abstellgleis bedeuten. Hier findest Du 3 wissenschaftlich bestätigte Gründe, warum Du auch in Teilzeit Führungskraft werden solltest.

Die Vorurteile gegenüber Teilzeitkräften sind groß. Sie seien weniger flexibel und schlechter erreichbar als Vollzeitkräfte. Daher und aus anderen Gründen tun sich viele Arbeitgeber schwer damit Teilzeitstellen überhaupt auszuschreiben. Nach einer Elternzeit kehren viele Mütter und wenige Väter in Teilzeit zurück, manchmal auf Probe mit Hilfe der Partnerschaftsmonate.

Dies kann ein Arbeitgeber schwer verwehren, aber er muss sich eben auch nicht aktiv um die Einbeziehung von Teilzeitkräften kümmern. Eventuell droht die bekannte Teilzeitfalle: weniger Aufgaben gehen an die Teilzeitkraft, sie wird weniger in Entscheidungen einbezogen, Abstellgleis.

Wer als Teilzeitarbeiter*in trotzdem Karriere machen will, steht dann entweder als Karrieremama aka Rabenmutter und überehrgeizig da oder wird eventuell niemandem mehr gerecht – weder der Familie noch der Arbeit.
Aber Teilzeitarbeit muss keine Falle, kein Abstellgleis bedeuten.

Hier findest Du 3 wissenschaftlich bestätigte Gründe, warum Du auch in Teilzeit eine Führungsposition anstreben solltest.

In einem anderen Artikel habe ich schon einmal darüber geschrieben, warum Unternehmen Teilzeitführungskräfte brauchen und einstellen sollten.

 



 

1. Mehr Haushaltseinkommen

Das klingt logisch. Durch eine Führungsposition erhältst Du in der Regel mehr Gehalt. Gleichzeitig trägst Du wesentlich zum Haushaltseinkommen bei. Arbeiten beide in Teilzeit habt ihr sogar mehr Geld als wenn einer in Vollzeit und einer in Teilzeit arbeitet.

Im Familienreport 2017 findet man folgende Zahlen:

Eine Familie, in der der Mann der in Vollzeit erwerbstätige Alleinverdiener ist, verfügt im Monatsdurchschnitt über 3.393 Euro Nettoeinkommen. Das Nettoeinkommen ist rund 1.000 Euro höher, wenn die Mutter zusätzlich in einem Umfang von 15 bis 28 Stunden erwerbstätig ist. Teilen sich die beiden Elternteile die Erwerbstätigkeit partnerschaftlich auf und arbeiten beide zwischen 28 und 36 Wochenstunden, erzielen sie ein durchschnittliches Nettoeinkommen von 4.154 Euro. Dieses vollzeitnahe Arbeitspensum verschafft mehr Zeit für die Familie und entspricht dem Wunsch eines beträchtlichen Anteils von Müttern und Vätern.

 

 

2. Es ist gut für Deine Kinder, da Papa mehr da ist bzw. da sein muss!

Mal abgesehen davon, dass Du mit einer Führungsposition Deiner Karriere etwas Gutes tust, hat es auch Auswirkungen auf Deine Kinder, wenn Du Deine Karriere weiter vorantreibst. Wenn Du Dich verstärkt um Deine Arbeit kümmerst und eine Führungsposition innehast, muss automatisch Dein Partner mehr in das Familienleben einbezogen werden. Clever wäre es, wenn auch er in Teilzeit arbeitet.

Denn es ist belegt, dass es positiv auf die Entwicklung von Kindern wirkt, wenn sich Väter rege an der Sorgearbeit beteiligen. Ein intensives Vater-Kind-Verhältnis ist für die Entfaltung der Kinder von Vorteil. Die positiven Effekte umfassen beispielsweise die Entwicklung des Intellekts, des Gedächtnisses, von Problemlösungsstrategien ebenso wie sprachliche Entwicklung, Schulleistungen oder Empathiefähigkeit.

Der Familienreport hat darüber hinaus herausgefunden, dass sich Schulkinder gerade für ihre Väter häufiger kürzere Arbeitszeiten wünschen als für ihre Mütter. Nur 34 Prozent der Kinder sind zufrieden mit der Menge an Zeit, die sie mit ihren Vätern verbringen, während 64 Prozent dies in Bezug auf ihre Mütter meinen. Sogar 16 Prozent klagen über einen dauerhaften Mangel an Vater-Kind-Zeiten.

 

3. Es gibt spezielle Modelle für Teilzeit-Führungskräfte

Hast Du schon einmal von Job-Pairing gehört? Ja, genau. Das ist eins der drei Teilzeitführungsmodelle. Sicherlich ist auch eins für Dich dabei, das es Dir ermöglicht Job und Familie gut miteinander zu vereinen.

Vollzeitnah:

Im Grunde ist dieses Modell eine Mogelpackung unter den Teilzeitführungsmodellen. Es bedeutet, dass Du eben nur fast Vollzeit arbeitest, was heißen kann, dass Du wirklich mal nach 38 statt nach 45 Stunden Feierabend hast oder dass Du einfach nur für zum Beispiel 4 Stunden weniger Gehalt bekommst, aber das gleiche Pensum hast.

Stellvertretermodell:

Dieses Teilzeitführungsmodell kann in einer beliebigen Wochenstundenzahl gearbeitet werden. Es geht nur darum, dass es immer einen anderen Ansprechpartner gibt, solltest Du nicht erreichbar sein. Dieser Stellvertreter muss in alle Themen eingearbeitet sein und die gleichen Befugnisse auch in Bezug auf Führung der Mitarbeiter haben. Du und der Stellvertreter könnt dabei regelmäßig gleichzeitig arbeiten und vor Ort sein. Der Stellvertreter ist eher eine Vollzeitkraft.

Job-Pairing/ Job-Sharing:

Das Modell ist die Erweiterung vom Stellvertretermodell. Hier arbeiten gleich zwei Personen in Teilzeit, arbeiten auch abgesehen von Übergaben, nicht zeitgleich und decken so eine Arbeitswoche von 40 Stunden ab, wobei immer einer erreichbar ist. Hier eignet sich die Stundenzahl von 20 bis 25 pro Woche pro Teilzeitkraft. Die zwei Menschen, die sich einen Job teilen, sollten sich sehr gut verstehen und gut miteinander kommunizieren können.

Normale Teilzeit:

Bei diesem Modell arbeitet die Teilzeit-Führungskraft eine beliebige Anzahl von Wochenstunden und wird in Abwesenheit oder Nichterreichbarkeit nicht von einer anderen Führungskraft vertreten. Hier kommt es aber meist zu einer Arbeitsverdichtung, das heißt die Aufgaben müssen in kürzerer Zeit geschafft werden.

 

Welches Teilzeitführungsmodell Du wählst, hängt zum einen von Deinen geplanten Wochenstunden ab und zum anderen von der Art Deines Jobs. Sind die Aufgaben gut auf eine andere Person übertragbar, kann das Stellvertretermodell sinnvoll sein. Bist Du ein Einzelkämpfer wird das sehr schwer. In jedem Falle musst Du als Führungskraft in Teilzeit kreativ werden und eigene Lösungen anstreben. In vielen Punkten wirst Du in Deinem Unternehmen Neuland betreten, aber das sollte Dich nicht abhalten, oder?

 

Mein aktuelles Forschungsprojekt:

Im Rahmen meiner Masterthesis beschäftige ich mich mit den oben gelisteten Teilzeitführungsmodellen für Eltern aus der Generation Y. Mit Hilfe von qualitativen Interviews von Teilzeit-Führungskräften sollen Handlungsempfehlungen für Politik und Unternehmen abgeleitet werden, die die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei jungen Führungskräften zum Ziel haben.

Wenn Dich dieses Thema auch interessiert, dann schreib mir unter diana[at]zweitoechter.de und wir können uns dazu austauschen.

 

 

Quelle:

Familienreport 2017

 

Warum Du als Frau auch in Teilzeit Führungskraft werden solltest - zweitöchter

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Comments

    • JesS
    • 5. April 2018
    Antworten

    Ich finde, jeder kann so viel schaffen, es wird Zeit was wir und die Gesellschaft das endlich sehen!

    0

    0

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