Unser Leben in (fast)Echtzeit – ein stinknormaler Morgen

Der-Morgen-in-Echtzeit-Frühstück

Du möchtest wissen, wie das Leben mit Baby und Kleinkind sein kann? Du kannst Dir nicht so richtig vorstellen, was es alles zu tun und zu beachten gibt? Ich zeig es Dir. Natürlich könnte ich mir auch einfach eine Kamera umhängen und 2 Stunden filmen, aber ich schreibe Dir es heute mal auf – in (fast) Echtzeit.

Guten Morgen

Wie spät ist es? Keine Ahnung. Ich habe aufgehört nachts auf die Uhr zu schauen, wenn das Baby trinkt. Zum dritten oder vierten Mal hängt sie nun schon an meiner Brust. Ich döse weiter. Von draußen kommt schon etwas Licht hinein. Eine andere Tür geht auf. Mein großes Kind öffnet die Kinderzimmertür, lugt ins Schlafzimmer. Das Baby dockt von der Brust ab und stemmt sich auf meine Hüfte, um ihre große Schwester zu begrüßen. Sie kichern beide und freuen sich wie Schneekönige, dass es endlich Morgen ist. Auf der anderen Seite vom Bett sehe ich nur noch eine Decke. Mein Mann muss schon vor einer Weile zur Arbeit gefahren sein. Die Bettseite ist schon wieder kalt. Ich schicke die Große zur Toilette und angele mir mein Telefon vom Nachttisch. 7.16 Uhr. Flugmodus raus, ping, die ersten Nachrichten der Nacht treffen ein. Ich checke nacheinander Emails sowie Facebook- und WhatsApp-Nachrichten und ignoriere sämtliche Spiegel Push-Benachrichtigungen, für die mir jetzt die Zeit fehlt. Das Baby lässt sich kaum noch im Bett halten. Sie benutzt mich als Klettergerüst. Sie würde tief fallen aus unserem Boxspringbett. Ich muss echt aufpassen. Aus dem Bad kommen keine Geräusche. „Ich hab doch gesagt, du sollst auf Toilette gehen!“, rufe ich hinterher. „Jaaha!“

Ich lege das Telefon zur Seite und pelle das Baby aus dem Schlafsack. Sie strampelt und lacht. Wir gehen ins Kinderzimmer. An der Badtür sehe ich noch wie die Große immer noch vor der Toilette steht. Sie lässt sich mal wieder bitten. „Ich zieh jetzt L. an und Du gehst jetzt bitte pullern.“ Auf der Wickelkommode geht die Turnerei weiter. Erst den Schlafanzug, dann die Windel und zack ist das Baby nackt. „Maaamaaa! Ich bin auf Toilette!“, schallt es aus dem Bad. „Jaha, super!“ und bin froh, dass ich sie heute nur dreimal bitten musste. Fürs Baby schnappe ich mir unter der Wickelkommode Body, Shirt, Hose und Socken. I. kommt aus dem Bad und hat sich zwischenzeitlich den Schlafanzug ausgezogen. „So. Dann kannst du dir nun auch ein paar Sachen aus dem Schrank nehmen und dich anziehen, bitte.“ Während ich das Baby anziehe, wühlt die Große minutenlang durch ihre Schlüpferabteilung und jedes Mal, wenn ich denke, dass sie endlich einen herausnimmt, stopft sie ihn tiefer in die Schublade, um anschließend weiterzuwühlen. Das Baby ist nun fertig angezogen. Ich setze sie auf den Boden, um der Großen zu helfen. In Windeseile hole ich Schlüppi, Unterhemd, Kleid, Leggings und Socken aus dem Kleiderschrank. Als ich ihr beim Anziehen helfen will, fängt sie an zu strampeln und wehrt sich. Ich lasse von ihr ab. „Gut, dann mach das allein. Ich geh schon mal Frühstück machen.“ Der Kleinen lege ich noch ein Spielzeug hin.

Frühstück

Gerade bin ich an der Kinderzimmertür angekommen, stürzt sich die Große schon auf besagtes Spielzeug und nimmt es L. weg. Ich gehe weiter zur Küche. Sollen die das unter sich klären. Erstmal Kaffee! Die Maschine heizt vor, das beste Geräusch am Morgen. Ich schnappe mir das Tablett und stelle 1 Tasse, 2 Teller, 1 Messer, 2 Marmeladen und Honig darauf. Eine Tasse wandert unter die Brüheinheit und los. Noch die Milch dazu und der Tag kann beginnen. Einen Schluck schaffe ich noch, bevor ich Geschrei aus dem Kinderzimmer höre. Ich eile ins Zimmer. Was passiert ist, lässt sich kaum nachvollziehen. Das Baby weint, die Große tröstet. Das weinende Kind nehme ich auf den Arm, das Große an der Hand mit in die Küche.
„Ich möchte Milch!“, ruft sie. „Steht alles schon bereit.“, antworte ich. „Und Müsli will ich auch!“, fordert sie erneut. „Heute gibt es Brot, das haben wir doch gestern noch zsuammen gebacken.“, sage ich wohl wissend, dass diese Antwort in der Hälfte der Fälle einen Trotzanfall auslöst. „Aber ich will Müsli!“ und schmollt mit verschränkten Armen an ihrem Platz im Esszimmer. Immerhin hat sie sich nicht auf den Küchenboden geworfen, sondern ist trotzdem zum Tisch gegangen. Ich setze die Kleine auch in ihren Stuhl und eile zurück in die Küche, um das Tablett mit dem Frühstück zu holen. I. hilft mir, alles auf den Tisch zu stellen und gießt sich Milch in ihre Tasse. Nach dem obligatorischen Händehalten und Pieppieppiep starten wir. L. gebe ich ein Stück Brot. In der letzten Zeit hat sie den Getreide-Obst-Brei so oft verweigert, dass nun auch ich streike und nicht immer alles wegschmeißen will. Sie nimmt sich schon, was sie braucht. Und wenn es nachts ist, jaja.

„Ich möchte bitte ein Brot“, sagt I.
„Mit?“
„Mit Honig und zeigt auf die Marmelade.“
Ich bestreiche ihr Brot mit Honig. Wir werden sehen, was sie wirklich meinte, denke ich mir.
Fröhlich mampft sie ihr Honigbrot. L. kichert fröhlich zurück. Kaffee. Ein Schluck. Dann schmiere ich mir auch ein Brot und beiße schnell ab, bevor die nächste Forderung von einem der Kinder kommt. 7.50 Uhr. Zum Glück haben wir Zeit. Bis 9 Uhr sollten wir in der Kita sein. Ich nehme den letzten Bissen von meinem Brot, bevor die Große aufspringt und ins Bad eilt. Die Kleine knabbert immer noch an ihrem Stück ohne alles.
„Mamaaaaa, ich bin fertig! Ich habe gekackert!“, ruft sie aus dem Bad. Immer wieder schön. Oben rein, unten raus.
„Ich komme!“, und nehme noch einen finalen Schluck Kaffee, denn jetzt folgt ein sehr wichtiges Gespräch.
„Mama, guck mal, eine große Wurst!“, freut sie sich. „Ähm, ja, toll.“ Mehr Begeisterung bringe ich nicht auf. Nach dem Abwischen schicke ich sie zum Händewaschen. Und jetzt, da sie einmal im Bad steht, halte ich ihr die Zahnbürste hin. „Ich kann das nicht allein“, antwortet sie. „Ok, ich helfe Dir. Aber Du fängst schon mal an. Ich bringe nur kurz L. ins Kinderzimmer.“ Auf dem Rückweg vom Bad schnappe ich mir einen Waschlappen und wische anschließend L.s Händchen ab. Sie ist fröhlich, obwohl sie fast nichts gegessen hat. Wer weiß. Ich bringe sie ins Kinderzimmer und stelle die Lego Duplo Kiste neben sie.

Auf in die Kita

Zurück im Bad sehe ich wie I. auf der Toilette herumturnt und am Fenster über ihr herumwerkelt. Ihre Zahnbürste hat sie im Mund. Das Fenster ist oben schon aus der Verankerung und ich schaffe es gerade noch, das Fenster festzuhalten, bevor es kippt. Oh mann, das war knapp, denke ich und schaffe es nicht mal zu schimpfen vor Erleichterung, dass nichts passiert ist. Ich hebe die Große vom Toilettendeckel und stelle sie vor das Waschbecken. Nun putze ich mal wieder ihre Zähne. Jetzt kommt auch das Baby aus dem Kinderzimmer ins Bad gerobbt. Ihr Ziel? Die Klobürste, was sonst? Knapp davor hebe ich sie hoch, das Zähneputzen ist also beendet. Ich bringe beide ins Kinderzimmer und eile zu meinem Kleiderschrank. Nur ein Pullover drüber, die Yogahose bleibt an. Zum Glück ist es heute warm und ich muss das Baby nicht so einpacken.

„Zieh‘  bitte Deine Jacke und Schuhe an. Wir gehen zum Kindergarten.“
„Mama, kann ich das Laufrad nehmen?“ fragt die Große, während ich die Manduca umschnalle.
Mein Blick wandert zum Fenster. Es sieht nicht nach Regen aus: „Ok“, antworte ich ihr. Fröhlich spaziert sie Richtung Wohnungstür und schnappt sich die Schuhe. Ich hebe das Baby in die Trage, schnalle sie fest. Nacheinander sammele ich Schlüssel, Telefon und den Kitarucksack ein und steuere noch einmal wie wild durch die Wohnung auf der Suche nach geöffneten Fenstern, eingeschalteten Geräten und Lampen.

„Ich kann das nicht!“, weint es aus dem Flur. Zwei Schuhe fliegen an die gegenüberliegende Wand. „Ich helfe Dir!“, rufe ich in den Flur, bevor ich die Wohnungstür hinter mir schließe. „Du musst erst die Zunge rausziehen. Dann kannst Du in den Schuh rein.“, versuche ich ihr zu erklären, aber an ihrer Schmolllippe erkenne ich, dass sie nicht sehr aufnahmefähig ist. Ich setze ihr noch den Helm auf, checke, ob die Wohnungstür wirklich zu ist und wir verlassen das Haus.

 

Ein ganz normaler Morgen mit einem Kitakind und mit einem Baby zu Hause in Elternzeit. Wenn Du mehr Echtzeit-Beiträge eines Familienlebens lesen möchtest, dann kommentier gern unten, welche Tageszeit oder Situation dich interessiert!

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Kommentare

  1. Antworten

    Haha, kenne ich sehr gut, könnte auch bei uns sein. Nur das wir jeden Tag zu spät kommen, weil ewig auf der Toilette oder beim Essen getrödelt wird 😉 Mich würde ein Beitrag von abends interessieren, also die „Zubettgeh-Zeremonie“ 🙂

      • Diana
      • 10. Oktober 2017
      Antworten

      Zu spät kommen ist bei uns kein Thema, da ich 1. viel Puffer einplane und 2. wenige Termine mit hartem Anschlag mache. Eher einen ZeitRaum 😉 Den Wunsch nach einem Artikel zur Abendroutine habe ich aufgenommen. :-*

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