Liebe alleinerziehende Mama

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Liebe alleinerziehende Mama,

als ich gestern Nacht von meiner Jüngsten unsanft geweckt wurde und feststellte, dass sie wieder einmal hohes Fieber hat, wollte ich am liebsten sofort meinen Mann anrufen. Ich wollte ihn informieren, mir Unterstützung bei der Wahl des Schmerzmittels und der Dosierung holen. Ich wollte einfach nur nicht allein sein mit dieser Situation.

Nachdem sie wieder eingeschlafen war, lag ich noch eine Weile wach. Allein mit meinen Gedanken und Sorgen um sie:

Jedes Mal, wenn ich 3 bis 4 Tage mit den Kindern allein bin, weil mein Mann unterwegs ist, komme ich an meine geistigen und körperlichen Grenzen. Dann habe ich keine Möglichkeiten für Überstunden oder sonstige Erledigungen.

Denn nach der Arbeit, dem Nachmittagsverkehr und den Abholfahrten zur Tagesmutter und der Kita bin ich ziemlich am Ende.

An einkaufen ist da gar nicht zu denken. Ich bin froh, wenn der Wäscheberg noch keine Beine bekommt und belasse ihn wie er ist.

Gestern musste ich ganz plötzlich das Auto umparken. Das bedeutet, dass ich die zwei Kinder entweder schnell mit ins Auto packe, wobei die neue Parklücke nicht für Kinder gemacht war, da ich auf der einen Seite die Tür nicht öffnen konnte oder sie unbeaufsichtigt in der Wohnung lasse. Letztendlich habe ich unseren Nachbarn schnell zum Beaufsichtigen geholt. Die Situation klingt so banal, zeigt aber mit wie vielen komplizierten Kleinigkeiten Alleinerziehende auf Dauer konfrontiert sind!



 

Wann schaffst Du das alles?

Ich frage mich: Wie machst Du das nur? Wer passt mal 10 Minuten auf die Kinder auf, wenn Du die Einkäufe aus dem Auto holst? Wann wäscht Du die Wäsche oder beseitigst die Krümel unter den Kinderstühlen?

Wenn ich mit den Kids allein bin, erledige ich das alles, nachdem die Kinder eingeschlafen sind, ich noch 2 Stunden gearbeitet habe und bevor ich selbst ins Bett falle. Aber das sind mal 3 oder 4 Abende, nicht länger!

Liebe alleinerziehende Mama, ich schaue zu Dir auf und bewundere Dich wie Du das alles schaffst und dabei trotzdem morgens gut gelaunt in den Kindergarten spazierst oder zur Arbeit kommst. Als ich noch keine Kinder hatte, wusste ich nicht, was es für eine Leistung sein kann, ein Kind ins Bett zu bringen. Doch als ich eine Weile allein dafür zuständig war und es meistens den ganzen Abend gedauert hat, brauchte ich erstmal ein paar Abende Pause.

Diese Pausen hast Du nicht. Das Leben geht weiter. Einen Schritt vor den anderen.

 

Liebe alleinerziehende Mama, woher nimmst Du die Kraft?

Aber es sind nicht nur die energieraubenden Momente, die Du nicht mit einem Partner teilen kannst. Es sind auch die Schönen. Wem erzählst Du freudig am Abend, was Dein Kind Lustiges von sich gegeben hat? Mit wem freust Du Dich über einen neuen Entwicklungsschritt?

Das abendliche Belustigen über die Ereignisse des Tages mit meinem Mann geben mir Kraft. Sorgen können angesprochen werden. Ohne diesen Austausch würde ich sie wohl immer einfach in eine Ecke meines Gedächtnisses parken und nicht besonders darüber reflektieren.

Und dann sind da diese Momente. In denen ich wütend bin, auf mich, die Situation mit den Kindern im Allgemeinen, die Situation des Alleinseins im Speziellen, die Reaktion meines Kindes.

Und dann ist als vorübergehend alleinbetreuende Mama niemand da, der mich stoppt und mich auf den Boden der Tatsachen holt. Ich kann mich dann richtig schön in meine Gedankenwelt hineinsteigern.

 

Wie schaffst Du es, nicht zu vereinsamen?

In den wenigen Tagen des Alleinerziehens vereinsame ich hin und wieder temporär. Die Tatsache immer jemanden fragen zu müssen, der mit uns oder mal an meiner Stelle Zeit mit den Kindern verbringt, kostet Zeit und Nerven. Denn mit jeder Absage werde ich des Fragens müde. Ich möchte Zeit mit anderen Menschen verbringen, mich aber auch nicht aufdrängen.

Mein Partner hingegen ist ja eigentlich immer da, er kann nicht einfach kurz vorher absagen. Er hat Verantwortung, aus der er nicht einfach herauskommt. Diese Selbstverständlichkeit wird mir immer wieder bewusst, wenn ich Strohwitwerin für ein langes Wochenende bin.

 

Du musst es nicht alles allein schaffen!

In der kurzen Zeit, die ich meine Kinder allein betreut habe, wurde mir immer ziemlich schnell klar, dass ich es nicht allein schaffen muss. Ich musste einfach anfangen zu akzeptieren, dass ich um Hilfe fragen muss. Das war nicht leicht für mich, aber anders wäre ich wohl daran zerbrochen.

Liebe alleinerziehende Mama, Du musst es nicht allein schaffen! Frag bitte bitte um Hilfe. Für Dich und Deine Kinder. Es gibt so viele hilfsbereite Menschen da draußen, die gern einspringen, wenn Not an der Frau ist. Lass Dich unterstützen. Das zeugt nicht von Unfähigkeit, sondern von Stärke!

Liebe alleinerziehende Mama, ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft für Dein Leben mit Deinen Kindern. Fühl Dich gedrückt und bewundert von mir!

 

Auch Nisla von Mama Nisla rockt und bloggt hat einen sehr aufbauenden und würdigenden Brief für Alleinerziehende geschrieben.

 

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Liebe alleinerziehende Mama. Ich habe Dir einen Brief geschrieben. - zweitöchter

 

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Comments

    • D. Gusten
    • 28. März 2018
    Antworten

    Hallo, Du gute Seele,
    ich war 6 Jahre lang alleinerziehend bevor ich meinen zweiten Mann traf. Aus diesem Grund habe ich Deinen Brief interessiert gelesen. Du hast mich so tief berührt mit Deinen Worten. Ich danke Dir von Herzen für die Achtung, die Du allen Alleinerziehenden entgegen bringst. Es ist so, dass man sich oft nicht überwindet, um Hilfe zu bitten. Wie oft sitzt man weinend vor dem nicht funktionierenden Elektrogerät um dann später festzustellen, dass man nur den Stecker hätte einstöpseln müssen. Mir hat damals eine Gruppe alleinerziehender Freundinnen Kraft gegeben. Das Paradoxe ist, dass ich Jahre gebraucht habe, um meinen zweiten Mann mit „aufs Spielfeld“ zu lassen. Ich war so sehr mein eigener Herr, dass ich mich bevormundet fühlte wenn er mir eine Aufgabe abnehmen wollte um mich zu unterstützen. Verrückt, was? Aber eines sage ich Dir, Du würdest es auch schaffen…wie sagtest Du so schön? Ein Schritt nach dem anderen. Und irgendwann wächst man hinein….und ist stark aus Liebe zu den Kindern. Aber Du hast völlig Recht . Niemand muss sein Schicksal alleine tragen. Ich finde, das sollte für alle Menschen gelten(nicht nur für Alleinerziehende)…und besonders für Dich, Du toller Mensch. Gott segne Dich und Dein großes Herz….Deborah

    1. Antworten

      Liebe Deborah,
      Vielen lieben Dank für Deine lieben Worte. Ich freue mich, dass ich Dein Herz erreichen konnte. Das bedeutet mir sehr viel!
      Alles Gute für Dich und Deine Familie <3

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