Wenn die Kitazeit plötzlich im März endet

Wenn die Kitazeit plötzlich im März endet. Corona beendet Vorschulzeit. Keine Kita bis zur Schule mehr - zweitöchter

Seit gut 6 Wochen haben wir keinen Fuß mehr in die Kita gesetzt. Mitte März wurde diese wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Ob, wann und wie sie wieder aufmacht, ist bis heute ungeklärt. Relativ schnell war uns klar, dass an einen typischen Übergang von Kita zu Schule – wie er bisher vorbestimmt war – nicht mehr zu denken ist. Die Kitazeit scheint für unser baldiges Schulkind im März bereits geendet zu haben.

Was die Kitaschließung für uns als Familie bedeutet

Daher haben wir beschlossen, die Betreuung unserer Kinder bis zum kommenden Schuljahr selbst in die Hand zu nehmen. Man könnte meinen, dass uns diese Entscheidung leicht gefallen ist, da ich mit unserem dritten Kind schwanger bin. Tatsächlich waren die letzten Monate vor der Geburt aber natürlich mit meinen beruflichen Themen statt mit ausschließlicher Kinderbetreuung verplant.

Da mein Mann in einem systemrelevanten Beruf arbeitet, wurde uns die Entscheidung jedoch abgenommen und von Tag 1 an wurde ich zur „Hausfrau“. Dabei fühle ich mich allerdings nicht degradiert, sondern vor allem privilegiert und bin dankbar. Nicht auf die Notbetreuung oder den Spagat zwischen 8 Stunden Homeoffice und Kinderbetreuung angewiesen zu sein, gibt uns Gelegenheit diese Krise mit intensiver Familienzeit – erst zu dritt, dann zu viert – zu gestalten.

Was mir in dieser Zeit Kraft gibt? Der Gedanke: Es hätte uns wesentlich schlimmer treffen können.

Übrigens hätten wir die gleiche Entscheidung gefällt, wenn ich nicht in Mutterschutz oder Elternzeit wäre. Durch Stundenreduzierung hätten wir eine passende Lösung für alle gefunden.

Keine Kita mehr bis die Schule beginnt

Oft lese ich bei anderen Vorschüler-Mamas, dass diese traurig sind, dass ihre Kinder nun keinen Übergang von Kita zur Schule haben. Es wäre doch ein Abschiedsfest in der Kita (z.B. ein Zuckertütenfest) geplant gewesen. Auch ihre Freunde würden die Kinder nun nicht mehr sehen, was die Kinder ebenfalls einsam machen würde.

Ich persönlich sehe die Tatsache, dass mein Kind sehr wahrscheinlich kein Zuckertütenfest haben wird, sehr entspannt. Denn meine Vorschülerin weiß nicht, was sie verpasst. Das gleiche gilt letztendlich auch für die Schuleinführungsfeier in der Schule. Diese ist nach aktuellem Stand in Thüringen wegen der Einschränkung von Großveranstaltungen nicht möglich. Ja, dann ist das eben so. Wir trauern dieser Tatsache nicht nach. Meine Freundin in Belgien, die selbst aus Thüringen stammt und damals eine klassische Schuleinführung hatte, kann dies für keines ihrer drei Kinder dort wiederholen. Die gibt es dort nicht. Und sie leben auch so fröhlich weiter!

Freunde sehen wir tatsächlich seit 6 Wochen keine mehr. Das fordern meine Kinder aber bisher auch nicht, so dass wir da keinen Druck haben. In absehbarer Zeit werden wir diese Einschränkung aber aufheben und mehr Kontakt zu anderen Kindern unter Auflagen ermöglichen. Das heißt, es wird ein ausgewählter Kreis an Kindern sein und wir werden diese nur draußen treffen.

Wie wird unser Kind nun auf die Schule vorbereitet?

Die Antwort auf die Frage ist einfach: Sie wird so vorbereitet, wie sie es möchte. Wenn sie die Zeit mit dem Spielen mit ihren Geschwistern verbringen möchte, dann kann sie das tun. Sollte sie Interesse an der Gartenarbeit oder am Anbau von Obst und Gemüse zeigen, dann werden wir das thematisieren. Hat sie den Drang zu schreiben und zu rechnen, dann unterstützen sie wir sie dabei. Es ist einzig und allein ihr überlassen, wie sie die kommenden Monate verbringen möchte.

Wir leben im hier und jetzt und nicht in der „Zukunft Schule“

Für mich gibt es keine obligatorische Vorbereitung auf die Schule, die ein Kind durchlaufen muss, nichts, was ein Kind unbedingt können muss, um in die Schule gehen zu dürfen. Das lernt ein Kind dort, wenn es da ist. Darüber habe ich hier auch schon einmal ausführlicher geschrieben: Warum die Kita nicht auf die Schule vorbereiten muss.

Dass mein Kind nun 6 Monate vor Schulbeginn keine Kita mehr besuchen wird, macht sie weder zu einem anderen Kind, noch zu einer schlechteren Schülerin.

Vorbildfunktion und Führung

Ich werde meiner Tochter nicht monatelang suggerieren, dass sie in ihrem Leben irgendetwas verpasst. Das wäre für mich eine selbsterfüllende Prophezeiung. Stattdessen zeige ich ihr unter diesen neuen Umständen, was es heißt, flexibel und anpassungsfähig zu sein und das Positive und die Chancen in all diesen Veränderungen zu sehen.

Gerade in diesen Zeiten finde ich es sehr wichtig, dass Eltern ihren Kindern klare Botschaften vermitteln. Natürlich haben wir nicht alles in der Hand, was passiert und wie es unsere Familien beeinflussen wird. Aber wir können Kindern eine gute Führung und Perspektiven geben, statt nur mit den Schultern zu zucken und Floskeln wie „Das wird sich zeigen“ zu formulieren.

Deshalb war es für uns so wichtig, nicht von diesen ganzen äußeren Einflüssen abhängig zu sein, sondern unser Leben ein Stück wieder selbst in die Hand zu nehmen und einen Plan zu machen.

Ob und wann die Pandemie wie endet, weiß niemand. Vielleicht gibt es auch kein erstes Schuljahr, wie wir es kennen. Na, und? Dann kommen wir auch damit klar und machen uns gemeinsam einen neuen Plan.

Wie kommst Du mit dem neuen Familienleben klar? Habt ihr auch selbst eine Entscheidung gefällt oder wartet ihr gespannt ab, was passiert?

Pinne diesen Artikel:

Wenn die Kitazeit wegen Corona plötzlich im März endet. Wir sind bis zum Schulbeginn freiwillig kitafrei. - zweitöchter

Teile diesen Artikel

Related Posts

Endspurt Schwangerschaft: Willkommen im Trimester des Wals Hilfe, Asthma in der Schwangerschaft!

Comments

  1. Antworten

    Wir lebten 5 Jahre kigafrei, dann startete der Kiga und nun ist er schon wieder vorbei. Ich frag mich eher, wieso wir überhaupt mit dem Kiga angefangen haben. Hätte ich auch sein lassen können. So genießen wir dann mal einfach die Zeit daheim. Meinen Kids gehts damit gut, auch wenn sie ihre Freunde vermissen. Aber sie haben sich gegenseitig und können wunderbar zusammen spielen. Vorteil bei Zwillingen, dass sie stets den gleichen Entwicklungsstand haben. 🙂

    1. Antworten

      Hallo Conny,
      tja, dann will es wohl euer Schicksal so, dass ihr noch kitafrei bleibt. 😉
      Alles Gute für euch,
      Diana

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

0 shares