Aus geplanter Alleingeburt wird Einleitung

Geburtsbericht-Beleghebamme-Woechnerinnenstation

Keinerlei Geburtsanzeichen

Es begann vor 6 Tagen mit Vorwehen. Es waren qualvolle 3 Tage, in denen die Wehen machten, was sie wollten. Ich war mal gereizt, gestresst, mal tiefen entspannt oder kapitulierend und aufgeregt. So ziemlich alles, was der Körper emotional hergibt. Und dann war einfach Schluss. Keine Wehen mehr und meine Lebensenergie kehrte zurück. Ich hatte wieder Kraft und Energie und keinerlei Geburtsanzeichen mehr! Ich dachte mir „nun gut, dann bleibst halt noch ne Weile drin, was völlig okay ist, so lange ich mich so fühle wie jetzt“.

Es war alles im grünen Bereich. Alles war bereit für eine Alleingeburt, denn darauf hatte ich mich 7 Monate lang vorbereitet. Ich wollte eine selbstbestimmte, intime Geburt bei uns zu Hause, da wo ich mich wohlfühle. Vorbereitet hatte ich mich mit Literatur, Hebammensitzungen, Hypnobirthingstunden und den Austausch mit anderen Alleingebärenden. Ich war also sehr gut vorbereitet. Ich hab vieles sogar im YouTube-Channel festgehalten.

Doch wieder Wehen

Einen Tag später hatte ich wieder Wehen! Diesmal fühlte es sich aber etwas deutlicher an. Ich schickte meinen Mann trotzdem zum Arbeiten und meine große Tochter wurde bei Oma und Opa geparkt. Die Wehen kamen immer Mal wieder. 2-3 Stück. Und dann war wieder sehr lang nix. Am Nachmittag war meine Vor- und Nachsorgehebamme da um mich anzuschauen. Muttermund Befund war getreu dem Motto „heute oder in 3 Wochen“. Ich war gefrustet! Dabei merkte ich, dass es Richtung Geburt ging in meinem Körper, aber keine Zeichen sprachen eindeutig dafür.
Um 16:44 war dann auf einmal die Hose nass. Ich ging auf die Toilette und es war für mich nicht wirklich erkennbar, ob es sich um einen Blasenriss oder Inkontinenz handelte. Nach ca. 5 Toilettengängen rief ich noch kurz vor Feierabend noch bei meinem FA an, ob eine Freundin von mir einen Fruchtwassertest holen dürfte. Sie brachte ihn mir und er sollte bei positiv blau werden. Er wurde schwarz blau. Nach 30 Minuten Rätseln und erneuter Rückfrage bei der Praxis stand es fest „positiv“.

Ich rief meinen Mann in der Arbeit an, der war eh gerade dabei war, Feierabend zu machen und kam nach Hause. Ich hatte um 19 Uhr immer noch keine Wehen. Wir probierten einiges aus. Meditieren, Schlafen, Baden, Duschen, Brustwarzen Stimulation. Es kamen einzelne kaum nennenswerte Wehen und wenn, war nach 3x wieder Schluss!

Der Traum von der Alleingeburt zerplatzt

Um 2 Uhr in der Nacht, mein Mann schlief seit 22 Uhr, wurde ich nervös. Bereits 9 Stunden ohne Wehen. Ich weckte meinen Mann und sagte ihm, dass wir abbrechen und in die Klink fahren. Er fragte mich 1000 Mal, ob ich sicher sei. Er wollte mir den Traum der Alleingeburt wirklich ermöglichen. Mein Bauch schrie aber deutlich: „Das wird nix mehr, lass dich checken.“ Ich wusste über die Ängste in Kliniken Bescheid auch mit der Infektion von Neugeborenen. Und, dass es ja oft übereilt ist. Mir fehlte in dem Moment schlichtweg eine erfahrene Geburtshelferin, die mir Mut zusprach und mir bestätigte, dass noch alles möglich sei. Schließlich hatte mich mein Vertrauen in den letzen Tagen öfter an der Nase herumgeführt. Mein Selbstbewusstsein war dahin. Schließlich wollte ich nicht unverantwortliche Risiken eingehen.

So rief ich im Kreißsaal an und kündigte uns an. Die Hebamme war extrem nett, ich kannte sie von den Vorsorgen als meine Hebamme im Urlaub war. Wir machten uns auf den Weg. Angekommen, erst einmal CTG, Muttermund Befund weich 1,5 finger durchlässig, Gebärmutterhals fast verstrichen. Also unverändert wie vor einer Woche. Mit dem Befund kamen wir um 4 Uhr in unser Familienzimmer. Ich sag es euch, gerade bei unserer Geburtsreise goldwert!

Wir legten uns hin zum schlafen und sollten um 8 Uhr wieder im Kreißsaal erscheinen. Die 3 Stunden Schlaf waren nicht so erholsam, aber immerhin konnten wir uns nochmal zurückziehen. Nach dem Frühstück berieten wir uns. Mittlerweile war der Blasenriss 16 Stunden her und immer noch keine Wehen in Sicht. Ich habe der Hebamme übrigens gesagt gehabt, dass es 20 Uhr war, als die Blase riss, somit hatten wir ein größeres Zeitfenster.

Antibiose, ja oder nein?

Nun stand für uns jetzt die Entscheidung im Raum, ob Antibiose ja oder nein. Ich drückte auf die Tränendrüse, dass ich Antibiotika ganz schlecht vertrage und lieber regelmäßig Blut abgenommen bekommen möchte. Das wurde so akzeptiert. Erstmal! Dann beriet uns die Ärztin. Ich erzählte ihr von der Hammer Einleitung bei meiner großen Tochter und der PDA. Und dass ich das nie wieder möchte und sie sagte, dass sie ganz sanft einleiten mit einer Erstdosis von 25 Mikrogramm Prostaglandinen. Ich war Einverstanden. Einfach auch, weil ich endlich wollte, dass sie kommt. Ab da begann LEIDER (und das war wirklich das einzige, was mich so richtig genervt hat und das hab ich auch lautstark zum Schluss gebrüllt) der CTG Marathon. Gefühlt hing ich ab jetzt nur noch an dem Ding. In den 4 Std Ersteinleitungsphase war ich ca. 1,5 Stunden Mal nicht am CTG. Meinen Mann schickte ich nochmal nach Hause. Ich legte mich von 12-13 Uhr hin zum Schlafen. Danach wieder Kreißsaal. Wieder CTG. Die nächst höhere Dosis mit 50 Mikrogramm. Dann CTG und die Herztöne waren immer Mal wieder nciht so gut. Die Schwester wurde schon etwas nervös. Konsequenz. Noch länger CTG!
Ich war echt genervt. Immerhin kam jetzt immer mal wieder ein Ziehen. Um 16 Uhr kam dann mein Mann wieder und wir berieten uns. Meine Stimmung war im Keller. Ich dachte an „Von der Alleingeburt zum Kaiserschnitt“ und musste weinen. Mein Mann war sehr traurig und gefrustet. Da kam die Hebamme und sagte: „Das CTG ist wieder super!“ Ich war so erleichtert. Ich rechnete nun aus: Wir haben nach 24 Std. ohne Antibiotika die Grenzwerte erreicht. Ich nehme die Dosis, dann sind die und ich auch entspannter, weil ich auf einen Aufenthalt in der Kinderklinik nach der langwierigen Odysee überhaupt keine Lust hatte!

Das Antibiotikum lief also durch und ich durfte dabei stehen. Die Wellen wurden sofort stärker. Ich war überrascht, dachte ich doch noch, dass die 3. Dosis fällig wird, aber so langsam tat sich was. 20 Minuten nach der Antibiose musste ich schon leicht tönen. Die Hebamme schickte uns wieder ins Familienzimmer zum Abendessen (17:10 Uhr). Ich bekam keinen Bissen runter, musste am Wickeltisch abgestützt vertönen. Um 17.30 Uhr sagte ich zu meinem Mann: „Ich geh in den Kreißsaal in die Badewanne.“ Er: „Ich ess noch schnell auf.“

Jetzt aber schnell

Es waren 20 Schritte zum Kreißsaal, ich klingelte und lehnte gegen die Wand. Die nächste Welle, die Hebamme öffnete mir und war überrascht mich so zu sehen. Ich durfte ins CTG Zimmer, sagte aber gleich, dass ich mich bewegen muss. Sie fuhr mir das Kreißbett ganz hoch damit es in Wickeltischhöhe war. Die Wehen kamen alle 2-3 Minuten und so intensiv, so kraftvoll, ich musste sehr laut vertönen. Ich suchte mir immer wieder einen Punkt an der Wand oder sonst wo und fixierte mich auf ihn. Es waren vielleicht 15 Minuten bis mein Mann kam. Die Hebamme füllte währenddessen die Badewanne. Ich sagte ihm, dass das schon so stark sei. Die Hebamme kam und ich sagte zu meinem Mann, dass mir Gegendruck neben dem Steißbein helfen würde, er stemmte sich also bei jeder Welle die mich traf dagegen. Nach 3 Wehen meinte ich zur Hebamme, dass nach unten schieben so gut tun würde. Sie sagte, dass etwas schieben okay ist, nur nicht zu viel und ob sie sich den Muttermund mal anschauen soll. Ich stimmte zu, es war so ein Druck im Becken.

Die Hebamme tastete den Muttermund 4cm und meinte „die Fruchtblase ist ganz prall ich könnte sie öffnen“. Ich stimmte sofort zu. Da war dieser Druck. Ich wollte ihn weg haben. Sie öffnete die Fruchtblase und das Fruchtwasser schoss aus mir raus. Mhhh, wie war das eigentlich möglich? Ich hatte ja nen Blasenriss. Die Hebamme beruhigte mich und meinte, dass das oft vorkommt, dass das eine Art Vorblase war. Während der Öffnung ging der Muttermund weiter auf. Ich war erleichtert. Druck weg, 4 Minuten zum Durchschnaufen. Meine Hebamme sah nach der Badewanne. Es war ca 18:15 Uhr. Ich stand wieder am Bett, da kam die erste Welle, die  hatte Schmackes. Ich verfluchte die Öffnung der Blase nun, denn der Druck war wieder da, nur viel stärker. Es wurde immer schwerer mein Mantra aufrecht zu erhalten, irgendwann tönte ich es sehr laut hinaus.

„In einer halben Stunde haben Sie ihr Baby im Arm.“

Die Hebamme kam und meinte, also Wanne wäre voll, aber sie sagte dann: „Meine liebe Baden gehen wir heute nicht mehr. Wir gehen jetzt in den Kreißsaal und bekommen ihre Tochter“. Er war eine Tür weiter. „In einer halben Stunde haben Sie ihr Baby im Arm.“ Ich fing an zu schluchzen: „Was noch so lange? Das schaffe ich nicht mehr!“. Ich Schmiss mich mit allen Vieren aufs Kreißbett. Es wurde mal wieder das CTG angeschlossen. Ich verfluchte es und schrie, sie sollen das scheiss Ding weg lassen. Aber nein, es wurde mir sehr energisch an den Bauch gedrückt. Ich war jetzt richtig pissig. Ich schrie: „Ich kann das nicht mehr, ich bin fertig, ich will nach Hause!“. Ich lag auf dem Bett und sagte zur Hebamme ich müsse pressen und sie sagte: „Moment ich schau nach dem Muttermund.“ Das war die für mich die schlimmste Wehe meines Lebens, denn ich durfte nicht mit ihr arbeiten. Ich musste die Kraft abfangen und verkrampfte. Bei der nächsten schrie ich, dass ich nicht anders kann und presste einfach. Eigentlich war es ein Instinkt des Rausschiebens in den Bauch hinein. Die Hebamme ermunterte mich. Mein Hintern drohte in alle Einzelteile zu zerfetzten. „Ich kann nicht mehr drücken, dass geht ja alles kaputt“ und die Hebammen meinten: „Nein, gar nicht, es sieht gut aus, ich solle auf meinen Bauch hören.“ Die nächste Welle (Nr. 3) und ich ignorierte das Gefühl und schob einfach mit der Welle mit. Die Hebamme entlastete irgendwie meinen Damm durch Druck, laut meinem Mann mit Babyöl.

Nun kam der Vorschlag, ich sollte mich auf die Seite legen, damit der Druck auf den Damm weniger wurde. Mich in der Lage zu bewegen, war fast unmöglich. Ich sagte, ich kann nicht, mein Mann packte mit an und dann lag ich auf der Seite … Und jaaaa es war viel besser! Die Hebamme bot mir ihre Hüfte zum Reinstemmen an. Gesagt getan. Und Welle Nr. 4, die längste und intensivste und von mir am kraftvollsten umgesetzteste gebahr den Kopf. Dann kurze Pause, die Schultern hingen etwas, aber bisschen später und die letzte, die 5. Druckwelle schob den Rest aus mir heraus!

Geschafft!

Ich war völlig perplex und neben mir. Die Kraft war jetzt zwar weniger, aber immer noch in mir sie hatte sich fest in mich eingebrannt. Die Ärztin freute sich und zog mich aus meinem Delirium „Sie ist da, nehmen Sie sich ihre Tochter.“ Ich griff nach ihr, legte sie mir auf die Brust und war völlig neben mir, überwältigt, ehrfürchtig, überfordert. Ich hatte es geschafft: künstliche Wehen in kurzer Zeit ohne PDA.

Nicht, dass ich mir sie im Kreißsaal nicht her geschrien hätte. Als Alternative wurde mir Lachgas angeboten, was gar nix für mich war. Ich war völlig besoffen im Kopf. Das CTG hätte ich am liebsten durchgebissen. Das Personal hatte mehr Angst vor den Vorschriften, als vor einer Frau, die sich wehrte. Das spielte sich alles im Kreißsaal ab ich war wirklich ein Ekel.

Das Team funktionierte perfekt abgestimmt und die Ärztin war eindeutig eine Geburtshelferin. Sie fügte sich perfekt ein und ja sie und die Hebamme waren toll.

Ich lag da nun mit meiner Tochter. Mein Körper brannte wie Feuer, der Kreislauf war dahin, ich versuchte zu verstehen, was da gerade passiert ist. Es war 18:42 Uhr und ich bin zum zweiten Mal Mama geworden. In diesem Moment entstand unser erstes Foto im Kreißsaal und fing unsere Emotionen perfekt auf. Mein Mann war für mich irgendwie eine Randfigur, ich nahm ihn und die anderen während der letzten Phase kaum wahr. Aber er machte das gut, er bewahrte Ruhe. Oder er war wie ich, einfach nur überrumpelt von dieser Energie und Geschwindigkeit, mit der sich unsere kleine Tochter auf die Welt machte.

Ich wurde versorgt, war nur ein klein wenig in der Scheide gerissen. Obwohl ich hätte schwören können, dass da alles kaputt sein musste. Ich bekam ein Schmerzmittel, was ich dankend annahm und versuchte meinen Kreislauf wieder zu stabilisieren. Wir waren bis 23 Uhr im Kreißsaal bis wir in unser Familienzimmer umzogen und diese Erfahrung völlig erledigt und erschöpft anfingen zu verarbeiten. Mein Mann kümmerte sich ganz toll um die Kleine, ich brauchte einfach noch Zeit. Mental war ich noch mitten in der Geburt. Nach 2 Stunden legte ich sie an und merkte wie die Bindung und Freude wuchs.

Fazit

Abschließend war es eine tolle und intensive Geburt. Die Geschwindigkeit hab ich bis jetzt noch nicht ganz überwunden. Das wir ins Krankenhaus gegangen sind, war gut, für UNS! Ich habe trotzdem völlig selbstbestimmt mit meinem Mann zusammen Entscheidungen getroffen und auch verteidigt. Das Team war super! Ich durfte auf meinen Instinkt hören und wurde sogar darin ermuntert. Eine tolle Klinik, die personell in München definitiv eine Ausnahme darstellt!

Danke an das Team und natürlich am allermeisten an meinen Mann, der einfach da war, wenn ich ihn brauchte und nun selbst etwas Zeit braucht, das Erlebte zu verarbeiten. Eine Geburt über 6 Stunden mit PDA ist einfach nochmal ne andere Hausnummer als ohne in 2 Stunden.

Wir sind sooo glücklich über die süße Maus … Unsere Sarah Luise!

 

Danke Stephanie für Deinen tollen Bericht und alles Gute für euch 4!

Tags: geburtsbericht

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