Alles hat seine Zeit – Serie Lebensträume

Karolin Rögner in der Serie Lebensträume auf zweitoechter.de, Photo by Kristin Koehler

Wovon wir träumen, macht uns nicht aus. Was wir aus unseren Träumen machen schon eher. Karolin träumt nicht von der großen Weltreise wie manch andere Mütter in meiner Serie Lebensträume. Vielmehr hat sie reflektiert, dass Lebensträume kein Lebensziel sein müssen, sondern der Weg zu einem glücklichen und zufriedenen Leben ist. Begleite Karolin ein Stück und lass Dich von ihren Gedanken inspirieren.

 

Wovon hast Du als Kind geträumt?

Als junges Mädchen träumte ich davon, dass ich einmal Meeresbiologin, Tierärztin oder Rechtsanwältin werde, wenn ich mal „groß“ bin.

Als Jugendliche stellte ich mir vor, ich würde mit 21 Jahren Mama werden und am Küchenfenster eines schönen, niedlichen Hauses mit weißem Gartenzaun Abend für Abend auf meinen geliebten Ehemann warten.

Tja, ich will nicht zu viel verraten, aber auch wenn ich mittlerweile verheiratet und Mama bin, hat sich mein Leben doch in eine etwas andere Richtung entwickelt.

 

Wovon träumst du heute?

Heute sind meine Träume ganz andere: Ich wünsche mir eine gerechtere Welt, in der Menschen nicht auf dem einen Kontinent verhungern und auf einem anderen in Luxus baden; in der (wieder) eine große Nähe und Verbundenheit zur Natur herrscht und Menschen einander mit Wertschätzung und Respekt begegnen, statt sich auszubeuten.

Ich wünsche mir, gesund zu bleiben und meinen Sohn aufwachsen zu sehen; mit meinem Mann alt zu werden, in guten und in schlechten Tagen.

Ich träume davon, dass wir in den nächsten Jahren unseren alten Wohnwagen wieder auf Vordermann bringen und mit ihm minimalistisch durch die Sonne Europas reisen.

Mein persönliches Ziel ist, noch mehr bei mir anzukommen und gütiger mit mir zu werden.

Für mich beruflich wünsche ich mir, dass sich Arbeit für mich nicht wie Arbeit anfühlt, sondern wie etwas, das mich bereichert. Und in diesem Zusammenhang dass meine Leidenschaft, die Fotografie mich finanziell trägt, ich also mit dem, was mir so unendlich viel Freude bereitet, meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Dass meine Fotografien und Texte noch mehr Menschen berühren.

Karolin Rögner in der Serie Lebensträume auf zweitoechter.de, Photo by Kristin Koehler
Photo von Kristin Koehler: fotografiekoehler.com

 

Inwiefern unterscheiden sich deine Lebensträume vor und seit deiner Mutterschaft?

Ich kann mich gerade überhaupt nicht daran erinnern, vor der Geburt meines Räubers überhaupt irgendwelche Träume gehabt zu haben. Vielleicht täuscht das auch nur, weil ich es dank Schwangerschafts- und Stilldemenz einfach nicht mehr weiß. Vielleicht waren da aber tatsächlich keine größeren Wünsche oder Ziele.

Was ich jedoch noch gut im Gedächtnis behalten habe, ist, dass meine „Träume“ eher materieller Natur waren und meist nur von einer Lohnabrechnung zur nächsten reichten.

Heute sind meine Träume entweder sehr elementar, wie z.B. der Traum, eine Nacht mal acht Stunden durchzuschlafen und morgens von allein aufzuwachen. Oder sie sind eher komplex und langfristig. Und ich merke, dass sich meine Träume meist nicht nur auf mich beziehen, sondern auf uns als Familie, als Ganzes.

 

Was steht deinen Lebensträumen momentan im Weg?

Ich glaube, ich bin schon viele Schritte gegangen, um meinen Zielen und Träumen näher zu kommen.

Was mich dennoch am meisten behindert, bin ich selbst: Ich vergleiche mich zu oft mit anderen. Manchmal schaue ich mir neidisch die Instagram-Feeds anderer Fotografen an und denke dann, dass sie alle viel bessere Fotos machen als ich und sowieso viel erfolgreicher sind und dass ich es eh nie zu was bringen werde. Meist ist dies der Anfang einer Negativ-Spirale, die mich abwärts zieht, bis ich völlig frustriert bin.

Wenn ich merke, dass ich die Portfolios anderer Fotografen „stalke“, versuche ich mich schon früh aus diesem Teufelskreis herauszuziehen, weil ich reflektiert genug bin, um zu wissen, dass mir das nichts bringt.

Trotzdem nutze ich die Situation dann, um mich zu hinterfragen: Warum bin ich unzufrieden mit meiner eigenen Arbeit oder gibt es gerade einen ganz anderen Grund, der mich unglücklich macht?! Was kann ich verbessern?!

Karolin Rögner in der Serie Lebensträume auf zweitoechter.de, Photo by Kristin Koehler
Photo von Kristin Koehler: fotografiekoehler.com

 

Womit würdest Du Deinen Tag verbringen, wenn Geld keine Rolle spielen würde?

Im ersten Moment schoss mir durch den Kopf, dass ich alles genauso machen würde. Das war ein schöner Gedanke und ein gutes Gefühl, denn es zeigt mir, dass ich mit mir, meiner Familie und meinem Leben auf einem guten Weg bin.

Wenn ich nun länger über die Frage nachdenke, kommen mir aber doch schon noch ein paar Ideen: Vielleicht würden wir uns jedes Jahr eine längere Reise gönnen?! Vielleicht würde uns auch ein eigenes Grundstück mit einem kleinen Haus gut tun, denn das gemeinsame Familienleben von vier Generationen auf einem Drei-Seiten-Hof ist nicht immer harmonisch und leicht.

Und eine entspannende Massage jede Woche, das wäre auch keine schlechte Sache.

 

Welchen Tipp hast Du an Deine Mitmenschen zum Thema Lebensträume?

Mir hat es zuerst geholfen, gedanklich weg zu kommen von all den Dingen, die ich nicht will, und mich auf jene zu konzentrieren, die ich (erreichen) will.

In einem nächsten Schritt habe ich dann meine „großen Träume“ runter gebrochen auf kleine überschaubare Ziele, die mich motivierten und mich nicht abschreckten, die ich aber auch überprüfen konnte. Alles hat seine Zeit.

 


Karolin ist Fotografin auf Karolin Rögner | motherhood photography und hat sich auf achtsame und natürliche Familienfotografie spezialisiert. Als Mutter eines Sohnes kennt sie die Bedürfnisse von Kindern und Eltern und dies zeigt sie eindrucksvoll in ihren Bildern.

Außerdem findest Du sie bei Instagram und Facebook.

 

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Alles hat seine Zeit - Serie Lebensträume von Müttern - Interview mit Fotografin Karolin Rögner auf zweitoechter.de

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