7 Argumente, die mich von Stoffwindeln überzeugt haben

7 Argumente für Stoffwindeln

Nach zwei Kindern und geschätzten 4.500 Wegwerfwindeln habe ich mich entschlossen, unser drittes Kind mit Stoffwindeln zu wickeln. Gedanklich hatte ich mich schon über die Trainerhosen bei der jüngsten Tochter dem Thema angenähert. In der Schwangerschaft informierte ich mich also online in Facebook-Gruppen, auf Hersteller-Websites und vor allem bei anderen Müttern zu Stoffwindeln und mehr Nachhaltigkeit in der Säuglingspflege.

Heraus kam ein Sammelsurium an (gebrauchten) Stoffwindeln und meine 7 Argumente für das Wickeln mit Stoff. Diese sind in ihrer Reihenfolge priorisiert dargestellt.

Natürliche, unbelastete Stoffe am Babypopo

Der für mich wichtigste Aspekt auf Stoffwindeln zu wechseln, waren die eventuellen gefährlichen Stoffe, die sich in Wegwerfwindeln finden und so an den Intimbereich meines Babys gelangen können. 2017 untersuchte ein französisches Magazin Wegwerfwindeln und fand bei mindestens zehn der zwölf getesteten Marken die Rückstände von mindestens einer schädlichen Substanz, darunter auch ein Nervengift wie beispielsweise Toluol oder Styrol. Öko-Windeln blieben auch nicht verschont und fielen zum Beispiel durch Glyphosat-Rückstände auf.

Umweltverträglichkeit

Da eine Wegwerfwindel 450 Jahre brauchen würde, um in ihre einzelnen Mikroplastikteile zu zerfallen, wird unser Windelmüll in Deutschland verbrannt. Danach bleiben allerdings hochgiftige Stoffe als Sondermüll zurück.

Stoffwindeln hingegen bestehen in der Regel aus wiederverwendbaren, natürlichen Materialien wie Wolle, Baumwolle oder Hanf. Aber auch PUL-Stoffe (Polyurethanlaminat), die nicht recyclebar oder biologisch abbaubar sind, weisen durch ihre lange Lebensdauer eine deutlich bessere Umweltverträglichkeit auf.

Kosten

Mit Stoffwindeln zu wickeln ist billiger. Stephanie von der Windelmanufaktur hat die Kosten hier gegenübergestellt. Konkret spart man mindestens 250 Euro und maximal 2800 € pro Kind, je nachdem wie lange gewickelt und wie oft ein Trockner benutzt wird.

Da wir fast die gesamte Wickelausrüstung gebraucht gekauft haben und zum Teil auch wieder für fast den gleichen Preis VERkaufen können, ist die Ersparnis gegenüber Wegwerfwindeln noch höher. Außerdem haben wir auf die Anschaffung für Newborn-Stoffwindeln verzichtet und haben von Anfang an die Größe 4-9kg verwendet.

Artgerechtes abhalten

In der Schwangerschaft mit unserem Sohn habe ich mit dem artgerechten Umgang mit Babys beschäftigt und dazu das Buch von Nicola Schmidt* gelesen. Darin lernte ich, das Babys sich eigentlich nicht selbst beschmutzen wollen und anzeigen, wenn sie mal müssen.

Das wollte ich mit unserem dritten Kind unbedingt ausprobieren. Die Stoffwindeln sind in ihrer Reinigung natürlich aufwendiger als Wegwerfwindeln und daher auch eine gute Motivation genau solche Anzeichen des Babys rechtzeitig zu erkennen. Daher setzten wir unseren Sohn mit etwa einem Monat regelmäßig auf ein Abhaltetöpfchen, um so das große Geschäft nicht mehr (so oft) aus der Windel kratzen zu müssen.

Das klappte bereits mit 4 Monaten sehr zuverlässig am Morgen. Mit 7 Monaten ging dann gar kein großes Geschäft mehr in die Windel.

Hüftreifung

Ein weiterer Grund für das Wickeln mit Stoff, war die Hüftreifung. Unsere zweite Tochter musste eine Hüftschiene tragen. Das war recht nervig und verzögerte ihre körperliche Entwicklung deutlich. Dies wollten wir bei unserem dritten Kind so gut es ging vermeiden. Durch das frühe, breitere Wickeln kann eine leichte Hüftdysplasie gut ausgeglichen werden.

Vorbildfunktion für eigene Kinder

Wie wichtig die Vorbildfunktion durch das ökologischere Wickeln mit Stoff ist, wurde mir erst klar, als wir damit längst gestartet waren. Unsere Kinder interessierten sich für die bunten Windeln und wir sprachen über die Gründe für unsere Entscheidung es beim dritten Kind anders zu machen.

In einem Urlaub mit einer anderen Familie kamen auch Fragen von der 12- und 8-Jährigen zu den Stoffwindeln. Vielleicht ist es für diese Generation irgendwann wieder normal auf Wegwerfwindeln zu verzichten. Für unsere Umwelt wäre es ein großer Gewinn.

Design und Optik

Im Internet findet man viele Stoffwindel-Fans, die regelrecht den Designs hinterlaufen. Manche lassen sich sogar aus ihren Stoffen Windelunikate herstellen oder nähen sie ganz selbst. Diese Begeisterung hat mich nicht erfasst. Für mich war das konkrete Design der Windel eher zweitrangig. Trotzdem erfreue ich mich an den bunten Mustern und Farben und dem dicken Windelpo unseres Sohnes. 😉

Nachteile

Natürlich hat das Wickeln mit Stoff ein paar wesentliche Nachteile, denen man sich bewusst sein muss.

Zeit

Der wichtigste Faktor ist Zeit. Zum einen ist die Anschaffung aufwendiger, vor allem, wenn man die Windeln gebraucht kaufen möchte. Zum anderen muss die Windel gewaschen und gepackt werden. Ich schätze, dass ich mindestens 30 Minuten Arbeit zusätzlich pro Tag habe.

Beschäftigung mit Ausscheidungen

Außerdem ist der Windelinhalt mit dem Werfen in den Windeleimer nicht einfach weg. Entweder man wäscht die Windel nach dem Wickeln direkt aus oder man sieht ihn spätestens beim Gang zur Waschmaschine erneut. Damit sind natürlich auch Gerüche und Gefühle verbunden. Wer sich partout nicht mit den Ausscheidungen seines Babys befassen möchte, wird mit Stoffwindeln nicht glücklich.

Kleidung passt schlechter

Bodyverlängerung für Stoffwindeln
Bodyverlängerung für Stoffwindeln

Das Wickeln mit Stoff hat den Nachteil, dass die Kleidung vor allem im Intimbereich schlechter passt. Ich habe daher eine Bodyverlängerung angeschafft. Auch Hosen müssen weiter geschnitten sein. Insgesamt ist es ratsam immer eine Größe größer anzuziehen, damit es dem Baby nicht klemmt oder zu viel Zug auf einem Kleidungsstück ist.

Für welche Stoffwindeln wir uns entschieden haben

Sicherlich fragst Du Dich jetzt, für welche Stoffwindeln wir uns entschieden haben und warum. Da ich möglichst wenige Teile der Stoffwindel waschen möchte, wenn sie verschmutzt ist, nutzen wir ein All-in-3 Stoffwindelsystem. Da die Außenwindel aus Baumwolle besteht und nicht getrocknet werden kann, haben wir zusätzlich trocknergeeignete PUL-Überhosen angeschafft, die mit den Einlagen aus dem All-in-3-System kompatibel sind. Das System hat sich bis heute bewährt.

Außerdem besitzen wir eine All-in-One-Stoffwindel, die mir eine Leserin zum Testen zugeschickt hatte. Dieses System konnte mich aber nicht überzeugen, da immer die gesamte Windel gewaschen werden muss.

Nutzt Du bereits Stoffwindeln oder hast Du vor, diese auszuprobieren?

Welche Argumente haben Dich überzeugt?

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